


Der Rechtsdrall junger Männer
Von Rolf Pohl ist als Sozialpsychologe Experte für Männlichkeits- und Geschlechterforschung
Die Neigung zu rechten Parteien ist unter jungen Männern ausgeprägter als bei Frauen. Die Auslöser liegen häufig schon in der Pubertät
Vor dem Hintergrund der nach wie vor geltenden Geschlechterhierarchie mit einer männlichen Vorherrschaft haben die mit dieser Jugendkrise einhergehenden Verunsicherungen aber eine besondere Konsequenz für den Jungen: Er muss mit dem Druck umgehen, sich als das wichtigere und überlegene Geschlecht zu sehen und bereit zu sein, diese Dominanz dann, wenn sie in Gefahr zu geraten scheint, zu verteidigen. Im Notfall muss diese gefährdete und daher fragile Männlichkeit repariert oder sogar wiederhergestellt werden. Mit dieser Abwehr-Kampf-Haltung sind männliche Jugendliche anfällig für rechte Ideologien: Es gibt deutliche Parallelen zwischen der völkischen Idee eines geschundenen und bedrohten nationalen Volkskörpers und dem Gefühl einer Infragestellung oder Beschädigung der angestammten Männlichkeit.
Die AfD hat dieses Potenzial längst erkannt und dockt ihre Propaganda immer wieder dort an. So etwa Thüringens AfD-Chef Björn Höcke mit seiner Parole „Ja! Zur Jugend“ und seiner Forderung nach der Wiedergewinnung einer wehrhaften Männlichkeit. Rechte Gruppierungen können damit auch als Repräsentanten einer fragwürdigen männlichen Jugendbewegung gesehen werden.
HAZ, tomorrow

Etwas Zahlen bitte für das App-Size-ige

Nun, die Site Impression sind gar nicht so schlecht für ein spaßiges Blog in App-Size.

Nichts als Hetze: Warum die SPD Leipzig auf ein AfD-Verbot drängt
An der SPD-Basis wächst die Erwartung, über ein AfD-Verbotsverfahren nicht nur zu reden, sondern es endlich einzuleiten. So auch in Leipzig. Ihr Co-Vorsitzender Benjamin Schulz erlebt tagtäglich, warum die AfD keine Partei wie jede andere ist.
In der breiten Zustimmung zum AfD-Verbot spiegelt sich auch das eigene Erleben von vielen von uns vor Ort und wie die AfD in den Landtagen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen agiert. Viele von uns kommen aus diesen Bundesländern.
In Leipzig ist die AfD längst nicht so stark wie etwa in Ostsachsen oder im Erzgebirge. In diesen Regionen hat sie keinerlei Berührungsängste gegenüber der organisierten rechtsextremen Szene.
In einigen Landstrichen zeigt sich inzwischen, wie gefährlich es ist, wenn die AfD eine Vorherrschaft entwickelt hat. Das ist keine abstrakte, sondern eine konkrete, mitunter auch physische Gefahr, wie etwa Angriffe und Bedrohungen gegen den CSD Pirna gezeigt haben. All das sind gute Gründe für ein Verbotsverfahren.
„Vielleicht werden wir dümmer“
Toby Walsh gehört zu den bekanntesten KI-Forschern der Welt. Der britisch-australische Informatiker fordert klare Regeln für Künstliche Intelligenz. Seine größte Sorge ist dabei nicht eine übermächtige KI, sondern wie viel Macht Menschen ihr überlassen.
Gleichzeitig gibt es sehr dystopische Szenarien: Maschinen werden intelligenter als wir, Menschen verlieren die Kontrolle. Für wie real halten Sie diese Gefahr?
Ich vermute, dass die Dinge, vor denen wir uns fürchten sollten, viel subtiler sind, als Science-Fiction uns vermittelt. Es geht nicht darum, dass Maschinen die Kontrolle übernehmen. Es geht darum, dass Menschen ihre eigene Handlungsfähigkeit abgeben. Vielleicht werden wir feststellen, dass nicht die Maschinen schlauer geworden sind als wir, sondern dass wir dümmer geworden sind, weil wir aufgehört haben, selbst zu denken, weil wir zu viel an Maschinen abgegeben haben. Ich vermute, dass die Dinge, über die wir uns Sorgen machen sollten, viel subtiler sind und dass am Ende der Mensch das eigentliche Problem ist.
HAZ am Sonntag

Videoandacht 366 am 23.8.2026 · 12. Sonntag nach Trinitatis · Friesenkapelle, Sylt
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Videoandacht 366 am 23.8.2026 · 12. Sonntag nach Trinitatis · Friesenkapelle, Sylt


Hätte Thomas Mann KI gemocht, Hanns Zischler?


Im Kinoereignis „Vaterland“ spielt Hanns Zischler den Literaturnobelpreisträger Thomas Mann. Mit Matthias Halbig spricht der Schauspieler über Manns Ringen um Heimat, über Wahrheit und Wahrhaftigkeit im Film und KI in der Kunst.
Der Film passt thematisch gut in eine Zeit, in der, was man nach der Erfahrung der NS-Zeit nie mehr für möglich gehalten hätte, die in Teilen gesichert rechtsextremistische Partei AfD im September in zwei Bundesländern – schwerpunktmäßig über das Thema Migration – als Wahlsieger hervorgehen könnte.
Für mich gilt: Deutschland ist ein Einwanderungsland, ohne Wenn und Aber. Und wir müssen uns alle auf Einwanderung einlassen. Der Begriff einer „biodeutschen“ Identität ist eine Unverschämtheit, so wie „Rasse“ ein Begriff aus der Pferdezucht ist. Die Einwandernden sind eine Hilfe für uns. Und das zu leugnen, ist unglaublich.
Würde ganz Deutschland rechts regiert – mit den entsprechenden Veränderungen einer deutschtümelnden Kulturpolitik – was würden Sie tun?
Natürlich bliebe ich im Land – und machte meinen Mund auf.
HAZ, this weekend


Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt
»Bauhaus-Manifest« – Institutionen erinnern an Anfeindungen durch das Naziregime
Die AfD bringt sich gegen das Bauhaus in Stellung. Kulturschaffende verteidigen die Kunstschule jetzt in einem Papier. Und stellen sich gegen die Partei, ohne sie überhaupt zu erwähnen.
Die Autonomie künstlerischer Leistungen und Institutionen gehört zu den Grundbedingungen einer lebendigen Demokratie«, heißt es in dem Schreiben. »Stärken wir daher Theater, Museen, Bibliotheken, Konzerthäuser und andere Kulturorte als Räume des Perspektivwechsels, des Widerspruchs und des demokratischen Dialogs. Sichern wir ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit gegenüber parteipolitischen Interessen und Einflussnahmen.«
Hospiz kündigt AfD-Kandidatin
Mission Lebenshaus in Jever sieht Verstoß gegen kirchliche Grundwerte – jetzt geht es wohl vor Gericht
Eine Kandidatur für die AfD ist nach Auffassung der Hospizgesellschaft Mission Lebenshaus, Trägerin des Friedel-Orth-Hospizes in Jever (Landkreis Friesland), nicht mit den Grundwerten der Diakonie vereinbar. Für Martina Müller hat das nun arbeitsrechtliche Konsequenzen: Weil sie an ihren Kandidaturen für den Kreistag Friesland und den Gemeinderat Wangerland für die AfD festhält, kündigte die Mission Lebenshaus ihr am 17. August außerordentlich und fristlos.
„Nach unserer Auffassung steht die aktive Kandidatur für eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Organisation in einem schwerwiegenden Spannungsverhältnis zu den Grundwerten und dem Auftrag von Kirche und Diakonie“, sagte der Sprecher. Zu den Grundwerten gehörten demnach die unantastbare Würde des Menschen, Respekt und „die besondere Verantwortung für Menschen in vulnerablen Lebenslagen“.
HAZ, today
Die Frau hat Glück, weil wir in einer gefestigten Demokratie leben. Früher wären da Begriffe wie Inquisition und Exorzismus im Eaum gewesen.


Eine verhängnisvolle Spende


Mitten im Wahlkampf: Ein CDU-Bürgermeister in Sachsen-Anhalt unterstützt offensiv die AfD
Die Partei, die in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft wird, träumt von einer Alleinregierung. Und in seinem Kampf dagegen hat Schulze es nun nicht mehr nur mit Angriffen des politischen Gegners zu tun, sondern mit gezielter Sabotage aus den eigenen Reihen.
Ein CDU-Kommunalpolitiker aus der Altmark torpediert den Wahlkampf seines Parteikollegen Schulze offen mit einer Aktion, die ihresgleichen sucht: mit einer 10.000-Euro-Wahlkampfspende an die AfD und einem öffentlichen Wahlaufruf für die rechte Partei.
Der Mann heißt Bernd Prange.
HAZ, tomorrow
Der Mann hat Glück, früher in totalitären deutschen Zeiten lebte er nicht mehr, wen diese Zeitung morgen sehr früh den Abonnenten zugänglich gemacht wird. Glücklicherweise leben wir in einer gefestigten Demokratie – auch in seiner Gegend, wo die Diktatur noch nicht so lange vorbei ist.

