Erinnerung an Margaret Hamilton

Schwarz-Weiß-Portrait von Margaret Hamilton von 1995.
Margaret Hamilton, 1995 (* 17. August 1936 in Paoli, Indiana; † 30. September 2026 in Cambridge, Massachusetts[4])  • Foto: Daphne Weld Nichols • CC BY-SA 3.0

Gestern gab das MIT bekannt, dass die große amerikanische Informatikerin (dabei hatte sie Mathematik studiert, aber number cruncher waren zu ihrer Zeit noch sehr rar) mit 90 Jahren verstorben ist.

Anfang Juli [2016] tauchte dieser Code plötzlich im Internet auf: Ein ehemaliger Nasa-Praktikant veröffentlichte ihn im Programmierer-Forum Github. Bislang war diese Software nur Eingeweihten bekannt, nun steht sie im Rampenlicht der Netzöffentlichkeit. Programmierkundige lesen zwischen den Codezeilen und überbieten sich in feinsinnigen Interpretationen, als ginge es um Sonette von Shakespeare. Im Silicon Valley heißen die Helden der Mondlandung seitdem: Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Margaret Hamilton.

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Das legendäre Bild, das Hamilton neben einen Stapel von Programmlistings des Apollo-Programms zeigt.

Schwarz-Weiß-Bild von 1969 mit Hamilton stehend neben einem Listingstapel, der so hoch ist wie sie.

Margaret Hamilton neben den Ausdrucken der von ihr und ihrem Team für das Apollo-Projekt entwickelten Flugsoftware. • Foto: Draper Laboratory; restored by Adam Cuerden – This is a retouched picture, which means that it has been digitally altered from its original version. Modifications: dust and scratches removed; curves tweaked to bring out shadows, approximately 3 pixels cropped from bottom in order to remove a border. See upload history of the PNG for version without colour tweaks. The original can be viewed here: Margaret Hamilton.gif: . • Public Domain 

»Zu sagen, Margaret Hamilton sei eine Pionierin gewesen – zu sagen, sie sei ihrer Zeit voraus gewesen –, wäre eine dramatische Untertreibung«, sagte der Leiter des Fachbereichs für Luft- und Raumfahrttechnik am MIT, Olivier de Weck.

 

Sie setzte sich auch dafür ein, dass die Entwicklung von Software den gebührenden Respekt erhielt. »Deshalb begann ich, den Begriff ›Software-Engineering‹ zu verwenden, um es von Hardware und anderen Ingenieursdisziplinen abzugrenzen«, sagte sie im Jahr 2018. »Als ich diesen Begriff zum ersten Mal verwendete, wurde er als ziemlich amüsant angesehen. Lange Zeit war er Gegenstand von Witzen. Man neckte mich gern wegen meiner radikalen Ideen.«

 

Als Hamilton im Jahr 2003 mit dem »Exceptional Space Act Award« der Nasa ausgezeichnet wurde, war ihr Laudator überrascht: »Ich habe mich gewundert, dass sie nie in aller Form für ihre bahnbrechende Arbeit geehrt worden ist.«

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Oder auch wie es auch in diesem Blog steht:

Dennoch leitet sie eine sehr wichtige Abteilung, denn keine On-Board-Flugsoftware für das Apollo-Raumfahrtprogramm, dann auch keine Landung. Dass sie und ihr Team den Arsch in der Hose hatten und die fehlerhaften (Fehler-)meldungen ignorierten, die vom für die Landung nicht erforderlichen Rendezvous-Radar-System erzeugt wurden, weil ein Zähler aktualisiert wurde, was unnötig Rechenzeit verbrauchten, gehört zu den wenigen Meilensteinen vom klugen und überlegten Handeln in der Geschichte.

blog.softwing.de

Das MIT Instrumentation Laboratory suchte Menschen, die Software entwickeln sollten, um Astronauten zum Mond zu bringen. Hamilton bewarb sich und wurde 1965 als erste Programmiererin für die Apollo-Software am MIT eingestellt, zugleich als erste Frau unter den Programmierern im Projekt. 1968 war sie als stellvertretende Direktorin für den Bereich des Kommando- und Servicemoduls zuständig. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten mehr als 400 Menschen an der Apollo-Software. Die Teams entwickelten Software für das Kommandomodul und die Mondlandefähre und spielten mögliche Missionsabläufe und Bedienhandlungen durch.

 

Hamilton drängte darauf, auch unwahrscheinliche Bedienfehler ernst zu nehmen. Ihre damals vierjährige Tochter Lauren hatte bei einem Besuch im Labor am Simulator des Kommandomoduls mitten im simulierten Flug unabsichtlich das Startvorbereitungsprogramm P01 aufgerufen und den Simulator zum Absturz gebracht. Hamilton wollte verhindern, dass ein solcher Fehler auf einer echten Mission möglich wurde.

 

Kurz vor der Mondlandung im Juli 1969 zeigte der Computer der Landefähre die Alarme 1202 und 1201 an: Zusätzliche Aufgaben überlasteten ihn. Die prioritätengesteuerte Software konnte weniger wichtige Arbeiten zurückstellen und die für die Landung nötigen Berechnungen fortsetzen. Diese Architektur war eine Teamleistung, an der auch andere Entwickler maßgeblich beteiligt waren, allen voran J. Halcombe Laning, der das prioritätengesteuerte Konzept erdacht hatte. Hamiltons Verdienst lag nicht in einem einzelnen rettenden Tastendruck, sondern darin, die Entwicklung robuster Bordsoftware mit voranzutreiben und zu leiten.

 

Einem breiten Publikum wurde Hamilton auch durch ein Foto aus der Apollo-Zeit bekannt, auf dem sie neben einem hohen Stapel ausgedruckten Programmcodes steht. Eine Darstellung von ihr mit den Codeausdrucken erschien auch im Lego-Set „Women of NASA“. Sie zählt zu den Frauen, die die Technikgeschichte entscheidend mitprägten. Ein weiterer Rückblick ordnet Hamilton neben Pionierinnen wie Ada Lovelace und Grace Hopper ein. Ihr Vermächtnis reicht über Apollo hinaus: Sie half zu zeigen, dass Software für kritische Systeme nicht nur für den erwarteten Ablauf geschrieben werden muss, sondern gerade auch für das Unerwartete.

Heise

Die Alarme 1201 und 1202 haben es augenscheinlich nicht ins kollektive Neardbewußsein geschafft, wie vielleicht das Layer-8-Problem, aber Margaret Hamilton wird als echte Größe in der IT in Erinnerung bleiben, die zu einer Zeit Bahnbrechendes schaffte, als lediglich Reinigungsfachfrauen in ihrem Umfeld waren, aber keine weiteren Informatikerinnen.

Software muss auch das Unerwartete erwarten. Margaret Hamilton ist genau die Persönlichkeit, die die Think different Kampagne als Motiv hätte nehmen können, denn das „Denke das Andersartige“ ist genau das „enwickele Software, die das Unbekannte = Andersartige kennt und darauf sinnvoll reagiert“.
Ukrainische Flagge

KI-Forscherin Timnit Gebru erhält Right-Livelihood-Auszeichnung

Zitat von KI-Forscherin Timnit Gebru zu Unweltkosten von KI.
Wikipedia

„Weil sie die bestehende Machtkonzentration im Bereich Künstlicher Intelligenz herausfordert und eine digitale Technologie vorantreibt, die auf Gerechtigkeit, gelebter Erfahrung und menschlicher Selbstbestimmung beruht.“

SPON

“For challenging concentrated power in artificial intelligence and pioneering digital technology rooted in justice, lived experience and human agency.”

RightLivehood

Unter anderem wurde Timnit Gebru aus den USA für ihren Einsatz gegen die Machtkonzentration im Bereich künstlicher Intelligenz mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.
Ukrainische Flagge

Macht langsam!

OpenAI ver­schiebt seinen Bör­sen­gang – und ruft unisono mit anderen Tech­fir­men nach mehr Vorsicht bei der KI-Ent­wick­lung

Erst jetzt kommen diese Bedenken in einer breiteren Öffentlichkeit an. Innerhalb der Tech-Branche gibt es diese Sorgen jedoch schon lange. In Bezug auf die Entwicklung Künstlicher Intelligenz schrieb KI-Forscher und -kritiker Eliezer Yudkowsky in seinem 2025 erschienen Bestseller „If anyone builds it, everyone dies“: „So lernt die Menschheit normalerweise, Herausforderungen zu bewältigen: Wir leugnen das Problem, die Realität versetzt uns ein paar ordentliche Schläge, und dann beginnen wir, das Problem mit mehr Respekt zu behandeln.“ Genau das könnte jetzt eintreffen.

Yudkowsky kritisierte die KI-Entwicklung schon sehr früh. In einem knapp 20 Jahre alten Artikel pocht er darauf, dass die Priorität auf der Entwicklung „freundlicher KI“ liegen müsse. Er sagte, dass die Entwicklung von KI-Systemen, die nicht „gutmütig“ sind, „suizidal“ sei.

taz
Ukrainische Flagge

Der Rechtsdrall junger Männer

Von Rolf Pohl ist als Sozialpsychologe Experte für Männlichkeits- und Geschlechterforschung

Die Neigung zu rechten Parteien ist unter jungen Männern ausgeprägter als bei Frauen. Die Auslöser liegen häufig schon in der Pubertät

Vor dem Hintergrund der nach wie vor geltenden Geschlechterhierarchie mit einer männlichen Vorherrschaft haben die mit dieser Jugendkrise einhergehenden Verunsicherungen aber eine besondere Konsequenz für den Jungen: Er muss mit dem Druck umgehen, sich als das wichtigere und überlegene Geschlecht zu sehen und bereit zu sein, diese Dominanz dann, wenn sie in Gefahr zu geraten scheint, zu verteidigen. Im Notfall muss diese gefährdete und daher fragile Männlichkeit repariert oder sogar wiederhergestellt werden. Mit dieser Abwehr-Kampf-Haltung sind männliche Jugendliche anfällig für rechte Ideologien: Es gibt deutliche Parallelen zwischen der völkischen Idee eines geschundenen und bedrohten nationalen Volkskörpers und dem Gefühl einer Infragestellung oder Beschädigung der angestammten Männlichkeit.

Die AfD hat dieses Potenzial längst erkannt und dockt ihre Propaganda immer wieder dort an. So etwa Thüringens AfD-Chef Björn Höcke mit seiner Parole „Ja! Zur Jugend“ und seiner Forderung nach der Wiedergewinnung einer wehrhaften Männlichkeit. Rechte Gruppierungen können damit auch als Repräsentanten einer fragwürdigen männlichen Jugendbewegung gesehen werden.

HAZ, tomorrow
Ukrainische Flagge

„Vielleicht werden wir dümmer“

Toby Walsh gehört zu den bekanntesten KI-Forschern der Welt. Der britisch-australische Informatiker fordert klare Regeln für Künstliche Intelligenz. Seine größte Sorge ist dabei nicht eine übermächtige KI, sondern wie viel Macht Menschen ihr überlassen.

Gleichzeitig gibt es sehr dystopische Szenarien: Maschinen werden intelligenter als wir, Menschen verlieren die Kontrolle. Für wie real halten Sie diese Gefahr?

Ich vermute, dass die Dinge, vor denen wir uns fürchten sollten, viel subtiler sind, als Science-Fiction uns vermittelt. Es geht nicht darum, dass Maschinen die Kontrolle übernehmen. Es geht darum, dass Menschen ihre eigene Handlungsfähigkeit abgeben. Vielleicht werden wir feststellen, dass nicht die Maschinen schlauer geworden sind als wir, sondern dass wir dümmer geworden sind, weil wir aufgehört haben, selbst zu denken, weil wir zu viel an Maschinen abgegeben haben. Ich vermute, dass die Dinge, über die wir uns Sorgen machen sollten, viel subtiler sind und dass am Ende der Mensch das eigentliche Problem ist.

HAZ am Sonntag
Ukrainische Flagge

Rekordhitze und Wasserkrise: Land bereitet sich auf mehr Extremwetter vor

Christian Meyer (Grüne), Niedersachsens Umweltminister: Die Klimakrise bricht mit voller Geschwindigkeit über uns herein — und sie führt zu einer Wasserkrise.

Mit einem neuen Masterplan will Umweltminister Christian Meyer Niedersachsen widerstandsfähiger gegen Folgen des Klimawandels machen. Dafür sind allerdings milliardenschwere Investitionen nötig.

Meyer sieht darin eine Investition in die Zukunft. Die Anpassung an den Klimawandel werde Milliarden kosten. Noch teurer wäre es aus seiner Sicht jedoch, nichts zu unternehmen. „Wir wissen nicht, wann und wo das nächste Extremereignis kommt. Aber wir wissen, dass es deutlich häufiger wird“, so der Minister.

HAZ, today
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Wenn der Schreibtisch nebenan stresst

Libby Sander, Zukunftsforscherin: Libby Sander, Zukunftsforscherin

Neue Hirnforschung belegt, was viele Beschäftigte längst ahnen: Großraumbüros kosten mentale Kraft. In Deutschland warnen Arbeitsschutzexperten schon lange vor den Folgen.

Und David John, der nach eigenen Angaben regelmäßig Feedback von Büroangestellten sammelt, bringt es auf den Punkt: „Die meisten sagen mir, dass sie lieber von zu Hause arbeiten, weil sie sich dort produktiver fühlen.“

Forschende haben 26 Probandinnen und Probanden – zwischen Mitte 20 und Mitte 60 alt – mit drahtlosen EEG-Headsets ausgestattet und sie dabei beobachtet, wie ihr Gehirn auf verschiedene Arbeitsumgebungen reagiert

Das Ergebnis war eindeutig. In der Kabine sank die Gehirnaktivität im Frontalbereich – also genau dort, wo Konzentration und Aufmerksamkeit gesteuert werden – im Verlauf der Aufgaben kontinuierlich ab. Das Gehirn arbeitete sich gleichsam warm und wurde effizienter. Im Großraumbüro verlief es genau umgekehrt: Die Hirnaktivität stieg stetig an, das mentale Engagement nahm zu, ebenso die messbare Erregung. Kurz gesagt: Das Gehirn musste immer mehr Energie aufwenden, nur um dieselbe Leistung aufrechtzuerhalten

HAZ, today

Natürlich ist die Testgröße mit 26 Teilnehmenden recht überschaubar, aber der Artikel nennt weitere Studien mit zum Teil hohen fünfstelligen Teilnehmenden. Das Ergebnis ist immer gleich: Großraum macht unproduktiv und krank! Da kann man noch so viel Agile, New Work und anderes ranschreiben, die physikalischen und medizinischen Gegebenheiten ändern sich dadurch nicht.
Ukrainische Flagge

Outerspace Influencer and Product Placer are back

Artemis-2-Crew ist zurück
Was hat die Mondmission gebracht?

Die Artemis 2 war eine spektakuläre Mission – und eine teure. Mehrere Milliarden Dollar hat sie gekostet. Neue Erkenntnisse über den Mond hat die Crew nicht mitgebracht. Dafür wichtige Daten für zukünftige Einsätze.

Immer wieder bekommen Experten und Raumfahrtbegeisterte in den vergangenen Tagen kritische Fragen gestellt. Und die erste Antwort ist ernuchternd: Der wissenschaftliche Wert der Artemis-2-Mission ist übersichtlich.

Tagesschau
Ukrainische Flagge