Der Rechtsdrall junger Männer

Von Rolf Pohl ist als Sozialpsychologe Experte für Männlichkeits- und Geschlechterforschung

Die Neigung zu rechten Parteien ist unter jungen Männern ausgeprägter als bei Frauen. Die Auslöser liegen häufig schon in der Pubertät

Vor dem Hintergrund der nach wie vor geltenden Geschlechterhierarchie mit einer männlichen Vorherrschaft haben die mit dieser Jugendkrise einhergehenden Verunsicherungen aber eine besondere Konsequenz für den Jungen: Er muss mit dem Druck umgehen, sich als das wichtigere und überlegene Geschlecht zu sehen und bereit zu sein, diese Dominanz dann, wenn sie in Gefahr zu geraten scheint, zu verteidigen. Im Notfall muss diese gefährdete und daher fragile Männlichkeit repariert oder sogar wiederhergestellt werden. Mit dieser Abwehr-Kampf-Haltung sind männliche Jugendliche anfällig für rechte Ideologien: Es gibt deutliche Parallelen zwischen der völkischen Idee eines geschundenen und bedrohten nationalen Volkskörpers und dem Gefühl einer Infragestellung oder Beschädigung der angestammten Männlichkeit.

Die AfD hat dieses Potenzial längst erkannt und dockt ihre Propaganda immer wieder dort an. So etwa Thüringens AfD-Chef Björn Höcke mit seiner Parole „Ja! Zur Jugend“ und seiner Forderung nach der Wiedergewinnung einer wehrhaften Männlichkeit. Rechte Gruppierungen können damit auch als Repräsentanten einer fragwürdigen männlichen Jugendbewegung gesehen werden.

HAZ, tomorrow
Ukrainische Flagge

„Vielleicht werden wir dümmer“

Toby Walsh gehört zu den bekanntesten KI-Forschern der Welt. Der britisch-australische Informatiker fordert klare Regeln für Künstliche Intelligenz. Seine größte Sorge ist dabei nicht eine übermächtige KI, sondern wie viel Macht Menschen ihr überlassen.

Gleichzeitig gibt es sehr dystopische Szenarien: Maschinen werden intelligenter als wir, Menschen verlieren die Kontrolle. Für wie real halten Sie diese Gefahr?

Ich vermute, dass die Dinge, vor denen wir uns fürchten sollten, viel subtiler sind, als Science-Fiction uns vermittelt. Es geht nicht darum, dass Maschinen die Kontrolle übernehmen. Es geht darum, dass Menschen ihre eigene Handlungsfähigkeit abgeben. Vielleicht werden wir feststellen, dass nicht die Maschinen schlauer geworden sind als wir, sondern dass wir dümmer geworden sind, weil wir aufgehört haben, selbst zu denken, weil wir zu viel an Maschinen abgegeben haben. Ich vermute, dass die Dinge, über die wir uns Sorgen machen sollten, viel subtiler sind und dass am Ende der Mensch das eigentliche Problem ist.

HAZ am Sonntag
Ukrainische Flagge

Rekordhitze und Wasserkrise: Land bereitet sich auf mehr Extremwetter vor

Christian Meyer (Grüne), Niedersachsens Umweltminister: Die Klimakrise bricht mit voller Geschwindigkeit über uns herein — und sie führt zu einer Wasserkrise.

Mit einem neuen Masterplan will Umweltminister Christian Meyer Niedersachsen widerstandsfähiger gegen Folgen des Klimawandels machen. Dafür sind allerdings milliardenschwere Investitionen nötig.

Meyer sieht darin eine Investition in die Zukunft. Die Anpassung an den Klimawandel werde Milliarden kosten. Noch teurer wäre es aus seiner Sicht jedoch, nichts zu unternehmen. „Wir wissen nicht, wann und wo das nächste Extremereignis kommt. Aber wir wissen, dass es deutlich häufiger wird“, so der Minister.

HAZ, today
Ukrainische Flagge

Wenn der Schreibtisch nebenan stresst

Libby Sander, Zukunftsforscherin: Libby Sander, Zukunftsforscherin

Neue Hirnforschung belegt, was viele Beschäftigte längst ahnen: Großraumbüros kosten mentale Kraft. In Deutschland warnen Arbeitsschutzexperten schon lange vor den Folgen.

Und David John, der nach eigenen Angaben regelmäßig Feedback von Büroangestellten sammelt, bringt es auf den Punkt: „Die meisten sagen mir, dass sie lieber von zu Hause arbeiten, weil sie sich dort produktiver fühlen.“

Forschende haben 26 Probandinnen und Probanden – zwischen Mitte 20 und Mitte 60 alt – mit drahtlosen EEG-Headsets ausgestattet und sie dabei beobachtet, wie ihr Gehirn auf verschiedene Arbeitsumgebungen reagiert

Das Ergebnis war eindeutig. In der Kabine sank die Gehirnaktivität im Frontalbereich – also genau dort, wo Konzentration und Aufmerksamkeit gesteuert werden – im Verlauf der Aufgaben kontinuierlich ab. Das Gehirn arbeitete sich gleichsam warm und wurde effizienter. Im Großraumbüro verlief es genau umgekehrt: Die Hirnaktivität stieg stetig an, das mentale Engagement nahm zu, ebenso die messbare Erregung. Kurz gesagt: Das Gehirn musste immer mehr Energie aufwenden, nur um dieselbe Leistung aufrechtzuerhalten

HAZ, today

Natürlich ist die Testgröße mit 26 Teilnehmenden recht überschaubar, aber der Artikel nennt weitere Studien mit zum Teil hohen fünfstelligen Teilnehmenden. Das Ergebnis ist immer gleich: Großraum macht unproduktiv und krank! Da kann man noch so viel Agile, New Work und anderes ranschreiben, die physikalischen und medizinischen Gegebenheiten ändern sich dadurch nicht.
Ukrainische Flagge

Outerspace Influencer and Product Placer are back

Artemis-2-Crew ist zurück
Was hat die Mondmission gebracht?

Die Artemis 2 war eine spektakuläre Mission – und eine teure. Mehrere Milliarden Dollar hat sie gekostet. Neue Erkenntnisse über den Mond hat die Crew nicht mitgebracht. Dafür wichtige Daten für zukünftige Einsätze.

Immer wieder bekommen Experten und Raumfahrtbegeisterte in den vergangenen Tagen kritische Fragen gestellt. Und die erste Antwort ist ernuchternd: Der wissenschaftliche Wert der Artemis-2-Mission ist übersichtlich.

Tagesschau
Ukrainische Flagge

Zitat am Abend

Die Philosophin Seyla Benhabib schrieb: »Mit dem Tod von Jürgen Habermas hat uns einer der letzten intellektuellen Giganten des 20. Jahrhunderts verlassen. Es wird schwer sein, sich Deutschland und Europa ohne seine Stimme und seine Texte vorzustellen. In seinen Beiträgen zu öffentlichen Debatten tadelte er seine Zeitgenossen bisweilen für ihre Blindheit und ihre Unfähigkeit, die verborgenen Implikationen ihrer Haltungen herauszuarbeiten. Wer sonst hätte im Historikerstreit die impliziten Annahmen gesehen, über die deutsche Nachkriegsidentität, die Schuld und Verantwortung für den Holocaust? Wer sonst hätte vor den militaristischen Konsequenzen der ›Zeitenwende‹ und den Gefahren eines Aufbaus des deutschen Militärs im Namen der Hilfe für die Ukraine gewarnt? Habermas scheute nicht davor zurück, zu verärgern und sogar zu verletzen – tat es aber niemals absichtlich.«

SPON
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In memoria tenere

Portrait schwarz-weiß Jürgen Habermas, einer der bekanntesten Soziologen unserer Zeit, während seines Vortrags im 7. Klassenzimmer von ELTE-Ambassa. Foto: Europäische Kommission/Szabolás
Jürgen Habermas 1928 – 2026 (Bild 2014) •Európa Pont (Bild farbverändert in schwarz-weiß) •CC BY 2.0

„Solidarität ist keine Nächstenliebe, aber erst recht keine Konditionierung zum Vorteil einer Seite. Wer sich solidarisch verhält, ist bereit, sowohl im langfristigen Eigeninteresse wie im Vertrauen darauf, dass sich der andere in ähnlichen Situationen ebenso verhalten wird, kurzfristig Nachteile in Kauf zu nehmen.“

Quelle

Habermas ist einer der weltweit meistrezipierten Philosophen und Soziologen der Gegenwart.

Wikipedia.de
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