Die Geister, die KI rief


Illustration of Der Zauberlehrling. From: German book, „Goethe’s Werke“, 1882, drawing by Ferdinand Barth (Künstler) (1842–1892) * Public Domain

Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort’ und Werke
Merkt’ ich und den Brauch,
Und mit Geistesstärke
Tu’ ich Wunder auch.

    Walle! walle
    Manche Strecke,
    Daß zum Zwecke
    Wasser fließe,
    Und mit reichem, vollem Schwalle
    Zu dem Bade sich ergieße!

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen!
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!

    Walle! walle
    Manche Strecke,
    Daß zum Zwecke
    Wasser fließe,
    Und mit reichem, vollem Schwalle
    Zu dem Bade sich ergieße!

Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!

    Stehe! stehe!
    Denn wir haben
    Deiner Gaben
    Vollgemessen! –
    Ach, ich merk’ es! Wehe! wehe!
    Hab’ ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.

    Nein, nicht länger
    Kann ich’s lassen;
    Will ihn fassen.
    Das ist Tücke!
    Ach! nun wird mir immer bänger!
    Welche Miene! welche Blicke!

O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh’ ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!

    Willst’s am Ende
    Gar nicht lassen?
    Will dich fassen,
    Will dich halten,
    Und das alte Holz behende
    Mit dem scharfen Beile spalten.

Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nun auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe!
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!

    Wehe! wehe!
    Beide Teile
    Stehn in Eile
    Schon als Knechte
    Völlig fertig in die Höhe!
    Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
Wird’s im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör’ mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
Werd’ ich nun nicht los.

    „In die Ecke,
    Besen, Besen!
    Seid’s gewesen!
    Denn als Geister
    Ruft euch nur zu seinem Zwecke
    Erst hervor der alte Meister.“

Der Zauberlehrling von Johann Wolfgang von Goethe

 

Möge die KI-Techjunta weise im Sinne der Menschheit handeln, aber Murphy ist ja bekanntlich allgegenwärtig.
Ukrainische Flagge

Der kleine Prinz am Wochenende

„Hast du Angst vor dem Tod?“, fragte der kleine Prinz die Rose. Darauf antwortete sie: „Aber nein. Ich habe ja gelebt, ich habe geliebt, ich habe geblüht und meine Kräfte eingesetzt, so viel ich konnte.
Und Liebe, tausendfach verschenkt, kehrt wieder zurück zu dem, der sie gegeben. So will ich warten auf neues Leben und ohne Angst und Verzagen verblühen.“
Antoine de Saint-Exupéry
Ukrainische Flagge

Arbeitsmoral

Ich befürchte, dass die Entgrenzung von Arbeit und Privatem im Homeoffice hierzulande besonders starke Effekte auf das seelische und körperliche Wohlbefinden vieler Menschen haben könnte, weil sie häufig auf dieses typisch deutsche Arbeitsethos trifft: Ich arbeite, also bin ich. Deutsche gelten nicht umsonst im Rest der Welt als gewissenhafte Streber:innen, als ein Volk, das sich eher über Leistung als über Leiden-schaft, eher über Akribie als über Improvisation definiert. Wenn man so viel arbeitet, dass man genug Geld verdient, um sich ein schönes Auto und eine Doppelhaushälfte mit Garten kaufen zu können, dann hat man es geschafft. Dann ist man wer. Ein:e Deutsche:r funktioniert, und deshalb funktioniert Deutschland, so die Logik, die offenbar noch immer viele Menschen verinnerlicht haben.

Sara Peschke: Wie wir arbeiten wollen
Ukrainische Flagge

Zitat am Morgen

Im Comicstil Trump stehend in der einen Hand einen Globus balancierend, hinter ihm US- und rote Flagge mit einer Art Rune.
Erstellt mit Artsmart.ai.
Timothy Snyder, Historiker: Jeder Autokrat braucht eine paramilitärische Einheit, die bestenfalls nur ihm persönlich verpflichtet ist.

Faschismus des 21. Jahrhunderts

Tausende Trump-treue Einsatzkräfte gehen in Minneapolis gegen die liberale Großstadtgesellschaft vor. Wie ordnet sich das autokratische Gehabe des US-Präsidenten historisch ein? Und welche Vorbilder spielen gerade im liberalen Widerstand eine Rolle?

keinen Zweifel mehr geben, die Bilanz ist nach einem Jahr seiner zweiten Amtszeit mehr als klar. Der Straßenterror von maskierten Bundesschergen in unmarkierten Fahrzeugen in liberalen Großstädten, die tödlichen Schüsse auf Renee Good und Alex Pretti in Minneapolis – das waren nur die letzten, deutlichsten Zeichen.

HAZ am Sonntag

Nur nebenbei: Lesen bildet.
Buch 'Hitler und Stalin' von Alan Bullock auf Couchtisch.
Zitat Alan Bullock: Evil is a form of incompetence.
Quelle
Ukrainische Flagge

Freude schöner Götterfunken

徳島第九フラッシュモブ Flash mob “Beethoven’s Symphony No. 9”

•••• Mit Klick auf die Abspielschaltfläche wird das Video im eingebetten IFrame gestartet. Das Vorschaubild kann schon auf diesem Blog vorhanden sein, so dass erst beim Abspielen eine Verbindung mit YouTube aufgebaut wird und Daten übertragen werden. ••••

Flash mob “Beethoven’s Symphony No. 9”

An die Freude

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elisium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng getheilt,
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

Chor
Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.

Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein;
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja – wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wers nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!

Chor
Was den großen Ring bewohnet,
Huldige der Sympathie!
Zu den Sternen leitet sie,
Wo der Unbekannte thronet.

Freude trinken alle Wesen
An den Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
Küsse gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod.
Wollust ward dem Wurm gegeben,
Und der Cherub2 steht vor Gott.

Chor
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahndest du den Schöpfer, Welt?
Such ihn überm Sternenzelt,
Über Sternen muß er wohnen.

Freude heißt die starke Feder
In der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder
In der großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen,
Sonnen aus dem Firmament3,
Sphären rollt sie in den Räumen,
Die des Sehers Rohr nicht kennt.

Chor
Froh, wie seine Sonnen fliegen,
Durch des Himmels prächtgen Plan,
Laufet, Brüder, eure Bahn,
Freudig wie ein Held zum Siegen.

Aus der Wahrheit Feuerspiegel
Lächelt sie den Forscher an.
Zu der Tugend steilem Hügel
Leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge
Sieht man ihre Fahnen wehn,
Durch den Riß gesprengter Särge
Sie im Chor der Engel stehn.

Chor
Duldet mutig, Millionen!
Duldet für die beßre Welt!
Droben überm Sternenzelt
Wird ein großer Gott belohnen.

Göttern kann man nicht vergelten,
Schön ists, ihnen gleich zu sein.
Gram und Armut soll sich melden,
Mit den Frohen sich erfreun.
Groll und Rache sei vergessen,
Unserm Todfeind sei verziehn,
Keine Träne soll ihn pressen,
Keine Reue nage ihn.

Chor
Unser Schuldbuch sei vernichtet!
Ausgesöhnt die ganze Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
Richtet Gott, wie wir gerichtet.

Freude sprudelt in Pokalen,
In der Traube goldnem Blut
Trinken Sanftmut Kannibalen,
Die Verzweiflung Heldenmut – –
Brüder, fliegt von euren Sitzen,
Wenn der volle Römer kreist,
Laßt den Schaum zum Himmel sprützen:
Dieses Glas dem guten Geist.

Chor
Den der Sterne Wirbel loben,
Den des Seraphs4 Hymne preist,
Dieses Glas dem guten Geist
Überm Sternenzelt dort oben!

Festen Mut in schwerem Leiden,
Hülfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwornen Eiden,
Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königsthronen –
Brüder, gält es Gut und Blut, –
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Lügenbrut!

Chor
Schließt den heilgen Zirkel dichter,
Schwört bei diesem goldnen Wein:
Dem Gelübde treu zu sein,
Schwört es bei dem Sternenrichter!

Rettung von Tyrannenketten,
Großmut auch dem Bösewicht,
Hoffnung auf den Sterbebetten,
Gnade auf dem Hochgericht!
Auch die Toten sollen leben!
Brüder trinkt und stimmet ein,
Allen Sündern soll vergeben,
Und die Hölle nicht mehr sein.

Chor
Eine heitre Abschiedsstunde!
Süßen Schlaf im Leichentuch!
Brüder – einen sanften Spruch
Aus des Totenrichters Munde!

Quelle
Ukrainische Flagge

Zitat am Abend

491 Tage, dann stellte ihn die Hamas auf eine Bühne in Deir al-Balah, kurz bevor er freigelassen wurde. Die Terroristen fragten, ob er sich auf seine Familie freue. Ja, er freue sich. Die Hamas wusste es, die Menschen in Israel wussten es, weltweit war an Eli Sharabis Schicksal Anteil genommen worden. Nur er, er wusste nicht, dass es keinen Grund zur Freude gab.

HAZ am Sonntag
Eli Sharabi „491 Tage“, Suhrkamp Verlag

Sharabi’s memoir Hostage was named by Time magazine as one of the 100 „must-read“ books of 2025.[1]

Wikipedia.org
Ukrainische Flagge