„Hast du Angst vor dem Tod?“, fragte der kleine Prinz die Rose. Darauf antwortete sie: „Aber nein. Ich habe ja gelebt, ich habe geliebt, ich habe geblüht und meine Kräfte eingesetzt, so viel ich konnte.
Und Liebe, tausendfach verschenkt, kehrt wieder zurück zu dem, der sie gegeben. So will ich warten auf neues Leben und ohne Angst und Verzagen verblühen.“
Antoine de Saint-Exupéry

Kategoriearchiv: Buch
Sara Peschke – Wie wir arbeiten wollen

Sara Peschke
Wie wir arbeiten wollen – Über Selbstbestimmung und Selbstausbeutung by
2022 Harper Collins
160 Seiten
15 EUR
ISBN 978-3-7499-0329-0
Sara Peschkes Buch „Wie wir arbeiten wollen“ von 2022 handelt vom Arbeiten. In der Zeit der COVID-Pandemie mit Sofort-Homeoffice und dem danach, was meist flexibles Arbeiten mit Office- und Homeoffice heißt.
Der Untertitel „Über Selbstbestimmung und Selbstausbeutung“ deutet es an: Das Spannungsfeld im Homeoffice mehr, länger und härter zu arbeiten, da das Wahrgenommen-Werden durch die digitalen Kanäle durchaus schwierig ist.
Oft werden diese Zahlen bemüht, die aber aus einem speziellen Prüfsetting stammen:
- 7 % verbal: gesprochene Wörter bzw.Inhalt
- 38 % paraverbal: Stimme, Tonfall,Lautstärke, Sprechtempo, Betonung
- 55 % nonverbal: Mimik und Körpersprache
Sara Peschke zeigt auf ohne den erhobenen Zeigefinger. Immer wieder macht sie deutlich, dass es nicht die eine Lösung gibt sowie ebenfalls, dass es für vordergründig ungünstiges Verhalten mitunter stichhaltige Gründe gibt.
»Die Generation Z wird sich in eine völlig andere Richtung entwickeln, als sich das Unternehmen oder die Politik vielleicht wünschen würden«, meint Scholz [Prof. Dr. Christian Scholz – „Leben, um zu arbeiten? Arbeiten, um zu leben? Der Zeitgeist unserer Jugend prägt uns fürs ganze Leben. wer im Personalmanagement erfolgreich sein will, muss das berücksichtigen.“]. Ich sehe es deshalb als eine Chance an, wenn diese jüngere Generation den Arbeitsmarkt mit ihren Erwartungen an eine Ausgewogenheit von Arbeit und Freizeit unter Druck setzt, sodass dieser sich gezwungen fühlt, sich und seine Strukturen zu überdenken und langfristig zu verändern. Bis dahin wird allerdings noch einige Zeit vergehen.
– S. 145
Peschke beendet ihr Buch mit einem interessanten psychologischen Gedankenexperiment, das mich schmunzeln ließ, aber der Fairness halber nicht preisgegeben wird.

Nicola Fritze – Loslassen ist das neue Anpacken

Nicola Fritze
Loslassen ist das neue Anpacken
Mut und Zuversicht in unsicheren Zeiten
Business Village Verlag 2026
240 Seiten
ISBN 978-3-86980-858-1
Nicola Fritze gestaltet ihr Sachbuch als Angebot der kleinen Schritte, Veränderungen zu erdenken, durchzuspielen und auch tatsächlich zu machen. Dabei ist die Maxime: Die kleinen Dinge sind die großen. Die Autorin kommt unter anderem aus dem Improtheater, habt aber auch durch ihre langjährige Coachingerfahrung einen soliden Werkzeugkoffer zur Hand. Hier gilt: Die Ungewissheit ist ein Möglichkeitsraum, in dem Neues entstehen kann. Folglich ist die leere Theaterbühne der Raum, der mit den vorhanden Möglichkeiten genutzt wird und jeder Einwurf des Publikums wird aufgenommen und genutzt. Diese Ungewissheit, schenkt Möglichkeiten, immer wieder aufs Neue zu entscheiden, wie ich sein will.
Bereits als sich der Vorhang zum Buch öffnete und ich mich langsam auf dieses einließ, war ich sehr von der ersten Mitmachübung (Ausprobieren: Der Ziegelstein-Test) angetan. Es handelt sich dabei um einen von der NASA entwickelten Kreativitätstest. Wie auch andere Übungen, Modelle oder Theorien, war mir dieser bisher unbekannt. Andere – mir bisher ebenfalls unbekannte – Thematiken sind: WASA-Modell oder WEE-Modell.
Das Buch ist analog zu einer Theatervorführung gegliedert in vier Akte, etwas zur Autorin, ein Backstagekapitel, Vorhang auf, „Vorhang fällt?“, Applaus und einen durchaus üppigen siebenseitigen Anhang (Internetquellen, Literatur und Abbildungsverzeichnis).
Als überaus erfrischend empfinde ich die Aussage zu: „Warum Buch lesen, wenn ich doch KI habe?“ Die Antwort von Nicola: „KI ist reaktiv: Du fragst, sie liefert. Ein Buch ist proaktiv: Es führt dich zu Fragestellungen, die du vielleicht noch gar nicht gestellt hast, und das Lesen eines Buches lässt dich reflektieren.Genauso beginnt deine Veränderung. So entwickelst du dich weiter.“
Nicola „entwickelt“ ihr Buch. Sie engagiert sich bei den Klinik Clowns und hat dazu auch sehr emphatisch, bewegende Seiten geschrieben. Wer vielleicht die Mutketten kennt, die schwer kranke Kinder in Kliniken haben können, hat vielleicht eine Vergleich zum Verlauf dieses Buches. Für jede Sache im Krankenhaus, bei einer Sprizte, einer OP, etc. bekommen diese jungen Patienten Perlen, die dann auf der Kette aufgereiht werden. Manche tragen diese, bei anderen sind sie an den Perfussoren oder Intensivbetten befestigt, damit jeder diese Ermutigungen für die jungen Kranken sehen kann. Dieses Buch von Nicola ist natürlich kein intensivmedizinisches Lehrbuch, sondern ein Sachbuch, das mit persönlicher Anrede (Du im generischem Maskulinum, worauf eingegangen wird) versucht, behutsam die Leserschaft aus der Starre, Mutlosigkeit und Ungewissheit mitzunehmen, um Mut „zu tanken“ und loslassen zu können. Denn nur wer loslässt, kann tatsächlich Veränderung anstarten und erleben.
An dieser Stelle muss klar betont werden, dass Nicola, keine einfachen Rezepturen „verkauft“ wie mache dieses, mache dann das, rühre ein wenig um und alles im prima. Nein, sie sagt deutlich, dass wer auf Veränderung sich einlässt, nicht weiß, wie (Ziel) es ausgeht, nur dass sich etwas ändert (Prozess). Das Buch besitzt also keine scharmanischen Elemente die es nur zu rezitieren gilt, um Großes zu erreichen. Nicola beton immer wieder, das kleine Schritte diejenigen der Wahl sind. Das kommt dem agilen Vorgehen wie Scrum nahe. Auch psychologische Sicherheit (für Teams) wird kurz erwähnt, steht aber ebenso wie agile oder klassisches Projektmanagement nicht im Fokus. Das Buch ist ein Geschenk an die Lesenden (im Applaus-Kapitel bedankt sich Nicola sehr ausdrücklich bei der Leserschaft, dass diese das Buch gelesen hat und sich die Zeit dafür nahm) mitzumachen, mitzudenken und ins Machen kommen.
Im Kapitel zum Anpacken spricht Nicola Effectuation an. Diese Methodik wurde von Prof. Saras D. Sarasvathy (Darden School of Business der Universität of Virgina) entwickel. Ziel der Methodik ist, handlungsfähig zu werden und zu bleiben durch „Schauen, was da ist und daraus etwas machen“, statt „erst Ziel, dann Plan und dann loslegen“.
Sie stellt in diesem Kapitel einige Firmen (große wie kleine und Start-Ups) vor bzw. lässt diese zu Wort kommen, die angefangen haben und das Machen machen, statt nur zu lamentieren, was alles in Deutschland eben nicht geht. Dieses Schlechtreden habe ich zuweilen immer wieder erlebt, sei es im Bekanntenkreis oder bei Kollegen). Dabei sind diese Leuchtturmprojekte wichtig, denn weder die „früher war alles besser“-Rhetorik (eine „Finesse“ des Gehirns zum „Schönwaschen“ von Vergangenem, das war einmal wichtig zum Überleben der Menschen, ist es aber schon lange nicht mehr), noch das selektive Wahrnehmen von in der Regel Meinungen zum Weltgeschehen, statt belastbarer Fakten, ist zielführend, Aufbruchstimmung und somit Voranschreiten zu erzeugen. Der Begriff „Narrative Ecconomics“ vom Nobelpreisträger Robert Shiller sagt hier deutlich: Nicht nur die Wirtschaftszahlen, sondern insbesondere die Geschichten hierzu, denen die Leute zugeneigt sind und vertrauen, sorgen dafür, dass das ganze wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch „zündet“.
Nicolas Buch ist als Einladung gedacht, denn wer ins Theater geht, bekommt ein Theaterstück „serviert“. Manche gehen danach nach Hause, der Vorhang ist gefallen und spätestens am nächsten Tag ist „business as usual“. Andere hingegen sehen ein bewegendes Stück. Klassische Vokabeln hierfür sind: Tiefgang, sehr empathisch, mitreißend, bewegend, ehrlich, echt. Sie sind auch nach dem Stück noch bewegt. Der Vorhang ist nicht ganz zu, noch etwas offen. Schlussendlich gibt es die, die innerhalb der ersten 48 Stunden tatsächlich Kleinstschritte aus dem Theaterstück probieren: Ausprobieren, fallen, wieder aufstehen und erneut ausprobieren. Wie auch immer es bei jedem Lesenden ist, weiß Nicola nicht. Im Bezug auf die Klinik Clowns schreibt sie: Das schwerkranke Mädchen sagte „Nein.“ Es hatte keine Kraft heute für die Clowns. Das gehört für die Klinik Clowns dazu, ein „Nein“ zu akzeptieren, denn es bedeutet Autonomie für die kleinen Patienten, selber bestimmen ztu können. Später, kann es vielleicht sein, dass das Kind die super Mutkugel haben möchte. Auf die Leserschaft zurückkommend: Vielleicht ist eine „Carpe diem.“ (oder „Carpe noctem.“) für das Buch auch später möglich – dem Buch, der Autorin sei es zu wünschen!

Zitat vom Kalifen
US-republikanisch verbannte Bücher
Gerade gesehen: Banned books in Tennessee schools last year.
Einige der Bücher habe ich auch gelesen wie Maus, Die Farbe Lila, Fahrenheit 451, To kill a mockingbird.
Das ist neben den vielen anderen Dingen ebenfalls eine erschreckende Entwicklung mit eindeutig faschistoid-gleichschaltendem Charakter.

Kunst im öffentlichen Raum: Momo

Das Jugendbuch Momo von Michael Ende hat mit der Momo-Skulptur am Michael-Ende-Platz in Hannover einen tollen Erinnerungsort.

Zitat am Abend
491 Tage, dann stellte ihn die Hamas auf eine Bühne in Deir al-Balah, kurz bevor er freigelassen wurde. Die Terroristen fragten, ob er sich auf seine Familie freue. Ja, er freue sich. Die Hamas wusste es, die Menschen in Israel wussten es, weltweit war an Eli Sharabis Schicksal Anteil genommen worden. Nur er, er wusste nicht, dass es keinen Grund zur Freude gab.
HAZ am Sonntag
Eli Sharabi „491 Tage“, Suhrkamp Verlag
Sharabi’s memoir Hostage was named by Time magazine as one of the 100 „must-read“ books of 2025.[1]
Erinnerung an einen großen Buchautoren und Illustrator – nicht nur für Kinder

Helme Heine (2014) • HelmeHeineArt • CC BY-SA 4.0
Wer den Zoo Hannover besucht hat, kennt Mulkewapp, den Spielplatzbereich in Zoo. Nach einem der Bücher Heines benannt und mit den Figuren aus dem Buch ausgeschmückt, die zusammen mit den Geschichten diesen besonderen Reiz bei Groß und Klein auslösen, was nicht viele der schreibenden uns illustrierenden Zunft können.
Seine Figuren füllte er mit Leben, ohne dass die Details später im Buch vorkamen. »Was für Musik würde Waldemar hören, was für Bücher würde Johnny Mauser lesen?«, fragte Heine sich. Erst eine Figur mit allen gedachten Facetten werde dann auch beim Malen authentisch.
»Ich weiß, dass meine Lebenszeit begrenzt ist, dafür bin ich dankbar, denn sie lässt mich bewusster leben«, war Heines Philosophie. Sein Leben nannte er eine Bilderbuch-Karriere. »Ich weiß, dass alles Leben aus dem Sternenstaub entstand. Der Tod wird diesen Prozess nicht beenden.«
Buchempfehlung am Morgen


Zitat am Morgen

Ein durchaus gelungenes Buch zur psychologischen Sicherheit, das sehen auch andere so.

