
„Vergleichen Sie die Beamten von ICE oder der Grenzschutzbehörde nicht mit den Nazis. Das ist ein unfairer Vergleich“, schien Late-Night-Satiriker Stephen Colbert zu widersprechen – um dann nachzulegen: „Die Nazis waren bereit, ihr Gesicht zu zeigen.“ Das Publikum johlte. Die Todesschüsse gegen friedliche Bürger in Minneapolis und die zunehmend autoritäre Herrschaft Trumps haben in den Vereinigten Staaten eine Welle von Nazi-Analogien ausgelöst. Was einigen unangemessen scheint, hat Forschern zufolge nicht nur Tradition, sondern auch eine soziale Funktion.
Die historische Dimension des gegenwärtigen Moments wird dadurch unterstrichen, dass die amerikanische Sängerlegende Bruce Springsteen den Protestsong „Streets of Minneapolis“ veröffentlicht hat. Die Hymne des Widerstands drückt aus, was viele Amerikaner gerade fühlen: Dass der Faschismus in ihrem Land Fuß fasst. Das verleiht Analogien zu Nazi-Deutschland aus Sicht des renommierten amerikanisch-deutschen Philosophen Jason Stanley mehr Legitimität. Die ICE-Truppen seien Trump treu, nicht der US-Verfassung, meint er: „Es ist Nazi-Ideologie. Es ist die Ideologie der weißen Vorherrschaft. Es ist deutscher Faschismus, den wir sehen.“
HAZ, tomorrow









