Steve Jobs Biographie

C. Bertelsmann 2011
Walter Isaacson
702 Seiten
24,99€
ISBN 978-3-570-10124-7

Steve Jobs

Die autorisierte Biographie des Apple-Gründers

„Steve Jobs war einer der größten amerikanischen Innovatoren – mutig genug, um anders zu denken, verwegen genug, um zu glauben, er könne die Welt verändern, und talentiert genug, es tatsächlich zu tun.“ So steht das Barack Obama Zitat plakativ auf der Rückseite der seitenstarken Biographie von Steven Paul Jobs, die es aus dem Stand auf Platz 1 der Amazon-Buchliste geschafft hat.

Was erwartet den Leser von dieser Biographie? Nun es hat im Leben von Steve Jobs schon so manches Buch über ihn gegeben, so dass man geneigt ist zu glauben, wirklich Neues in dem Werk von Isaacson nicht zu finden, doch dem ist nicht so. Es gab auch schon Biographien über den Apple Lenker, die es gar zu rühmlicher Ehre gebracht haben, schnell aus dem Apple Store geschmissen zu werden, weil sie den Zorn Steve Jobs auf sich gezogen haben. Im Gegensatz zu iWoz hat der zweite Steve (und einer von drei Firmengründern) sich aktiv um Walter Isaacson bemüht, was klar im Zuge seiner Erkrankung stand und dem Wunsch geschuldet ist, seinen Kindern eine Möglichkeit zu geben, auch nach seinem Ableben verstehen zu können, warum ihr Vater so war und um seine Entscheidungen begreifbar zu machen. Sicherlich ist es auch die Überzeugung, die „Geschichtsschreibung“ der eigenen Person selber in der Hand zu haben, ein nicht ungewichtiger Grund, denn dieses Buch wird für immer die einzig autorisierte Biographie sein. Mit Walter Isaacson hat sich Steve Jobs einen überaus renommierten Journalisten und Autor genommen (Aspen Institut, CNN, Time Magazine, Biographien über Einstein, Franklin und Kissinger). In der Einführung „Wie dieses Buch zu mir kam“ schildert er die Geschehnisse rund um die ersten Anbahnungen. Besondere Erwähnung gebührt hier Laurence Powell, Steve Jobs Frau, die dem Autor 2009 unmissverständlich klar machte, wenn er je eine Biographie über Steve Jobs schreiben wolle, dann jetzt, nachdem Steve Jobs schon 2004 mit Walter Isaacson Kontakt aufgenommen hatte, der es aber bislang abgelehnt hatte diese Biographie zu schreiben. So zeigt es sich sehr deutlich, dass es im Leben von Steve Jobs einige besondere Frauen gab. So auch seine erste, uneheliche Tochter Lisa, nach der der erste gefloppte GUI-Rechner von Apple benannt war. Bekannt ist die Geschichte, dass er, nach Börsengang Apples zum Multimillionär geworden, nicht bereit war, Unterhalt für seine Tochter zu zahlen, so dass sogar Mike Markkula, eine Art Vaterfigur für Steve Jobs, dieses missbilligend kommentierte. Wenn man sich dann das Bild vom Griechenlandurlaub 2006 u.a. mit Lisa (Bild 20) ansieht, scheint es so, als sehe man eine glückliche Patchwork Familie.

In über vierzig Interviews sind letztendlich 40 Kapitel geworden, die bekanntes zeigen: Den Visionär (aufrollen des angestammten MP3-Spieler Marktes mit iPod und iTunes, um damit Technologie- und Marktführer zu werden; aus dem Stand den Smartphone Markt neu zu erfinden und das, was wir heute als Smartphone kennen, erst zu etablieren), den Erfinder (einige dutzend Apple Patente zieren Steve Jobs Namen, wenn dahinter immer ein, in der Regel leider namenloses, sehr, sehr gutes Team steht), den Despoten (bekannt die Elevator Stories, die einen Apple Angestellten innerhalb von 40 Sekunden arbeitslos werden lassen konnten, wenn er zur falschen Zeit am falschen Ort war und nicht die richtigen Antworten parat hatte). Auch die Geschichte von Apple, NeXT und Pixar ist wohl bekannt. Besonders bei Pixar, dem Gelegenheitskauf von Georg Lukas, weil dieser auf Grund seiner Scheidung Geld brauchte, ist es bemerkenswert, dass Steve Jobs hier dem Team um John Lasseter nicht reinredete, so dass diese schlussendlich stark beachteten Erfolg mit ihren Animationsfilmen feierten und Steve Jobs als krasser Außenseiter Hollywoods Oscars entgegen nahm. Die wenigsten wissen vielleicht noch, dass Pixar eigentlich nur ihre Animationssoftware vermarkten wollte und die ersten Kurzfilme nur Demos waren, um zu zeigen, wozu die Software in der Lage war.

Aber in Walter Isaacson Werk zeigt sich auch ein überaus emotionaler, fast ist man geneigt zu sagen zerbrechlich wirkender Mensch. Als Referenz kann hier das Kapitel 31 „Music Man: Der Soundtrack seines Lebens“ herhalten.

„Zuerst hörten wir die üblichen Dylan- und Beatles-Stücke, dann tippte er auf «Spiritus Domini», einem von Benediktinermönchen gesungenen gregorianischen Choral. Eine Minute lang hörte er völlig versunken zu. «Das ist wunderschön», sagte er mit leiser Stimme. Es folgte Bachs Zweites Brandenburgisches Konzert und eine Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier.“ Seite 489

Wie kein anderer Autor, der versuchte, sich der Person des Steve Jobs zu nähern, ist es Walter Isaacson gelungen diese Extreme des Steve Jobs aufzuzeigen. Auf der einen Seiten den knallharten Firmenlenker, der etwa bei Einstellungsgesprächen bei Apple die meist sichtlichen gestressten Probanden nach deren sexuellen Neigungen befragte. Der aber auch, das ist überliefert, sich Fußerfrischungen in Apples Toilettenkeramik verschaffte. Der zeitlebens dem Zen-Buddhismus verbunden war, auf seiner Indienpilgerreise (semisponsored by Atari) fast ums Leben gekommen wäre und die Erleuchtung doch nicht fand. Dem aber auch der Begriff des Reality distortion fields geschuldet ist (leicht zu überprüfen, man suche nur nach Ron Wayne als drittem Firmengründers von Apple auf deren Website).

Auf der anderen Seite ein Mensch, der die Musik der Beatles vergöttert. So ist das stringente Handeln Apples zu erklären, die Werke der Fab Four in den iTunes Store zu bekommen, was angesichts der gerichtlichen Aspekte Apple vs. Apple nicht immer einfach war. Schön, dass Steve Jobs noch zu Lebzeiten die Werke aus dem iTMS bekommen konnte, wenn er auch etliche Werke bereits zuvor von LP auf seine iPods/iPhones/iPads transferiert hatte. Jemand, der angesichts seines nahenden Todes, in sehr intimen Interviews seinem Gegenüber offenbart, dass er sich mehr um seine Familie hätte kümmern müssen. Was dem geneigten Leser ein Stück weit erahnen kann, wenn man sich die Reisefotos ansieht, auf denen der Vater einen Reise nur mit einer Tochter unternahm, was angesichts des überquellenden iCal-Kalenders von Steve Jobs hohen Stellenwert genießt.

In den vielen Kapitel stecken auch für eingefleischte Apple Fans manchmal noch Überraschungen, etwa der „thermonukleare Krieg gegen Googles Android“, der Verrat von Eric Schmidt an Apple oder das Geheimnis des nummernschildlosen Mercedes.

Wie es eingangs in Barack Obamas Zitat steht, war Steve Job einer der größten amerikanischen Innovatoren. Menschen, die das Glück hatten, ihn erleben zu können – etwa in einer Keynote -, von persönlichem Kontakt will ich hier gar nicht sprechen, sind meist berührt von ihm. Stellvertretend für viele ein Zitat von Jörg Kantel, dem Schockwellenreiter:

„Ich war vor etlichen Jahren von Apple einmal eingeladen, eine Keynote von Steve Jobs live in Paris zu hören. Es war ein Erlebnis, denn Jobs hatte Charisma und konnte seine Zuhörer begeistern. Er hinterläßt nicht nur bei Apple eine schmerzliche Lücke, denn Visionäre, besonders erfolgreiche Visionäre, sind in einer Welt, in der nur noch der Cash Flow und die Dividende zählen, sehr, sehr selten geworden.“ schockwellenreiter.de 06.10.2011

Auch die Reaktionen im Netz zum Tode Steve Jobs waren in dieser Form außergewöhnlich. Wenn ein Staatenlenker stirbt (Ost wie West) wird dieses von den Agenturen gemeldet – Print, TV wie Internet. Bei Steve Jobs waren nicht nur alle Apple Sites weltweit gleichgeschaltet, auch bei Amazon und bei Google war dieses traurige Ereignis sofort auf der Website sichtbar. Die Web 2.0 Sites seien an dieser Stelle einmal nicht sonderlich erwähnt, einzig dieses Zitat

„The fact that Steve Jobs‘ photo is still the entire homepage during 4S, iOS 5, iCloud says a lot about Apple“ Apple Spotlight auf Twitter am 12.10. 2011

Abschliessend die Empfehlung: Nicht nur Apple Jünger, sondern auch dem Lifestyle Unternehmen eher kritisch eingestellte Menschen werden diese über 700 Seiten sicherlich gerne lesen und einen Einblick in die Person Steve Jobs bekommen, der für immer mit außergewöhnlichen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts verknüpft sein wird. Zukünftige Generationen werden vielleicht sagen: „Ja Apple, das ist die Firma, die den PC erfunden hat (Apple II), den MP3-Spieler (iPod), das Smartphone (iPhone) und den modernen Fernseher (iTV).“ Nichts davon ist wahr, aber die generelle Aussage stimmt: Apple ist ein Lifestyle Unternehmen, das Trends setzt und Innovationen schafft, die es zuvor nicht gab.

Eins, das hat Steve Jobs klar zum Ausdruck gebracht, war ihm wichtig: Seine Firma soll auch nach seinem Ableben innovative Produkte entwickeln und vorankommen. Als großes Vorbild hat er dabei immer Hewlett Packard gesehen, denen er in seiner Jugend Elektrobauteile abschwatzte. Es scheint so, als habe er ganze Arbeit geleistet.

„Die Menschen, die verrückt genug sind zu denken, sie würden die Welt verändern, sind diejenigen, die es tun werden.“ „Think different“-Spot 1997