Sara Peschke – Wie wir arbeiten wollen

Buchcover von Sara Peschkes Buch: Wie wir arbeiten wollen.
Sara Peschke

Wie wir arbeiten wollen – Über Selbstbestimmung und Selbstausbeutung by
2022 Harper Collins
160 Seiten
15 EUR
ISBN 978-3-7499-0329-0

Sara Peschkes Buch „Wie wir arbeiten wollen“ von 2022 handelt vom Arbeiten. In der Zeit der COVID-Pandemie mit Sofort-Homeoffice und dem danach, was meist flexibles Arbeiten mit Office- und Homeoffice heißt.

Der Untertitel „Über Selbstbestimmung und Selbstausbeutung“ deutet es an: Das Spannungsfeld im Homeoffice mehr, länger und härter zu arbeiten, da das Wahrgenommen-Werden durch die digitalen Kanäle durchaus schwierig ist.

Oft werden diese Zahlen bemüht, die aber aus einem speziellen Prüfsetting stammen:

  • 7 % verbal: gesprochene Wörter bzw.Inhalt
  • 38 % paraverbal: Stimme, Tonfall,Lautstärke, Sprechtempo, Betonung
  • 55 % nonverbal: Mimik und Körpersprache

Sara Peschke zeigt auf ohne den erhobenen Zeigefinger. Immer wieder macht sie deutlich, dass es nicht die eine Lösung gibt sowie ebenfalls, dass es für vordergründig ungünstiges Verhalten mitunter stichhaltige Gründe gibt.

»Die Generation Z wird sich in eine völlig andere Richtung entwickeln, als sich das Unternehmen oder die Politik vielleicht wünschen würden«, meint Scholz [Prof. Dr. Christian Scholz – „Leben, um zu arbeiten? Arbeiten, um zu leben? Der Zeitgeist unserer Jugend prägt uns fürs ganze Leben. wer im Personalmanagement erfolgreich sein will, muss das berücksichtigen.“]. Ich sehe es deshalb als eine Chance an, wenn diese jüngere Generation den Arbeitsmarkt mit ihren Erwartungen an eine Ausgewogenheit von Arbeit und Freizeit unter Druck setzt, sodass dieser sich gezwungen fühlt, sich und seine Strukturen zu überdenken und langfristig zu verändern. Bis dahin wird allerdings noch einige Zeit vergehen.

– S. 145

Peschke beendet ihr Buch mit einem interessanten psychologischen Gedankenexperiment, das mich schmunzeln ließ, aber der Fairness halber nicht preisgegeben wird.
Ukrainische Flagge

Der Rechtsdrall junger Männer

Von Rolf Pohl ist als Sozialpsychologe Experte für Männlichkeits- und Geschlechterforschung

Die Neigung zu rechten Parteien ist unter jungen Männern ausgeprägter als bei Frauen. Die Auslöser liegen häufig schon in der Pubertät

Vor dem Hintergrund der nach wie vor geltenden Geschlechterhierarchie mit einer männlichen Vorherrschaft haben die mit dieser Jugendkrise einhergehenden Verunsicherungen aber eine besondere Konsequenz für den Jungen: Er muss mit dem Druck umgehen, sich als das wichtigere und überlegene Geschlecht zu sehen und bereit zu sein, diese Dominanz dann, wenn sie in Gefahr zu geraten scheint, zu verteidigen. Im Notfall muss diese gefährdete und daher fragile Männlichkeit repariert oder sogar wiederhergestellt werden. Mit dieser Abwehr-Kampf-Haltung sind männliche Jugendliche anfällig für rechte Ideologien: Es gibt deutliche Parallelen zwischen der völkischen Idee eines geschundenen und bedrohten nationalen Volkskörpers und dem Gefühl einer Infragestellung oder Beschädigung der angestammten Männlichkeit.

Die AfD hat dieses Potenzial längst erkannt und dockt ihre Propaganda immer wieder dort an. So etwa Thüringens AfD-Chef Björn Höcke mit seiner Parole „Ja! Zur Jugend“ und seiner Forderung nach der Wiedergewinnung einer wehrhaften Männlichkeit. Rechte Gruppierungen können damit auch als Repräsentanten einer fragwürdigen männlichen Jugendbewegung gesehen werden.

HAZ, tomorrow
Ukrainische Flagge

Wenn der Schreibtisch nebenan stresst

Libby Sander, Zukunftsforscherin: Libby Sander, Zukunftsforscherin

Neue Hirnforschung belegt, was viele Beschäftigte längst ahnen: Großraumbüros kosten mentale Kraft. In Deutschland warnen Arbeitsschutzexperten schon lange vor den Folgen.

Und David John, der nach eigenen Angaben regelmäßig Feedback von Büroangestellten sammelt, bringt es auf den Punkt: „Die meisten sagen mir, dass sie lieber von zu Hause arbeiten, weil sie sich dort produktiver fühlen.“

Forschende haben 26 Probandinnen und Probanden – zwischen Mitte 20 und Mitte 60 alt – mit drahtlosen EEG-Headsets ausgestattet und sie dabei beobachtet, wie ihr Gehirn auf verschiedene Arbeitsumgebungen reagiert

Das Ergebnis war eindeutig. In der Kabine sank die Gehirnaktivität im Frontalbereich – also genau dort, wo Konzentration und Aufmerksamkeit gesteuert werden – im Verlauf der Aufgaben kontinuierlich ab. Das Gehirn arbeitete sich gleichsam warm und wurde effizienter. Im Großraumbüro verlief es genau umgekehrt: Die Hirnaktivität stieg stetig an, das mentale Engagement nahm zu, ebenso die messbare Erregung. Kurz gesagt: Das Gehirn musste immer mehr Energie aufwenden, nur um dieselbe Leistung aufrechtzuerhalten

HAZ, today

Natürlich ist die Testgröße mit 26 Teilnehmenden recht überschaubar, aber der Artikel nennt weitere Studien mit zum Teil hohen fünfstelligen Teilnehmenden. Das Ergebnis ist immer gleich: Großraum macht unproduktiv und krank! Da kann man noch so viel Agile, New Work und anderes ranschreiben, die physikalischen und medizinischen Gegebenheiten ändern sich dadurch nicht.
Ukrainische Flagge

Noch ein Zitat

Alexandra Geese (Grüne), EU-Abgeordnete: Suchtmechanis-men werden erbarmungslos genutzt, um die Werbeeinnahmen der Plattform zu erhöhen.

EU-Kommission sagt Tiktok den Kampf an

Online-Plattform setzt gezielt Suchtreize, die insbesondere Kinder und Jugendliche abhängig machen können. Nun reagiert die EU. Dem Konzern drohen empfindliche Strafen.

HAZ, this weekend

Wie es Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer schon sehr lange sagt. Vielleicht wird die EU die ihr eigenen z.T. sehr scharfen Schwerter einmal einsetzen. Den jungen Menschen ist das auf jeden Fall zu wünschen, nur glauben mag ich es nicht, da die EU bisher immer eingeknickt ist.

Zu Spitzer siehe auch hier oder hier. Auch nicht ganz unerwähnt soll folgendes bleiben.
Ukrainische Flagge