Neue Hirnforschung belegt, was viele Beschäftigte längst ahnen: Großraumbüros kosten mentale Kraft. In Deutschland warnen Arbeitsschutzexperten schon lange vor den Folgen.
Und David John, der nach eigenen Angaben regelmäßig Feedback von Büroangestellten sammelt, bringt es auf den Punkt: „Die meisten sagen mir, dass sie lieber von zu Hause arbeiten, weil sie sich dort produktiver fühlen.“
Forschende haben 26 Probandinnen und Probanden – zwischen Mitte 20 und Mitte 60 alt – mit drahtlosen EEG-Headsets ausgestattet und sie dabei beobachtet, wie ihr Gehirn auf verschiedene Arbeitsumgebungen reagiert
Das Ergebnis war eindeutig. In der Kabine sank die Gehirnaktivität im Frontalbereich – also genau dort, wo Konzentration und Aufmerksamkeit gesteuert werden – im Verlauf der Aufgaben kontinuierlich ab. Das Gehirn arbeitete sich gleichsam warm und wurde effizienter. Im Großraumbüro verlief es genau umgekehrt: Die Hirnaktivität stieg stetig an, das mentale Engagement nahm zu, ebenso die messbare Erregung. Kurz gesagt: Das Gehirn musste immer mehr Energie aufwenden, nur um dieselbe Leistung aufrechtzuerhalten
HAZ, today
Natürlich ist die Testgröße mit 26 Teilnehmenden recht überschaubar, aber der Artikel nennt weitere Studien mit zum Teil hohen fünfstelligen Teilnehmenden. Das Ergebnis ist immer gleich: Großraum macht unproduktiv und krank! Da kann man noch so viel Agile, New Work und anderes ranschreiben, die physikalischen und medizinischen Gegebenheiten ändern sich dadurch nicht.
Heute ein Gastbeitrag, der mir kostenfrei vom BusinessVillage Verlag angeboten wurde. Ich habe in der Vergangenheit für Rezensionen Bücher des Verlags kostenfrei zum Rezensieren bekommen. Den vorliegenden Beitrag empfinde ich spannend, habe aber das Buch selber noch nicht gelesen.
Job Crafting – Schritt für Schritt zum Arbeitsalltag, der zu mir passt
Von Andrea Barrueto und Eveline Baumgartner Meier
Viele Menschen erleben den Arbeitsalltag als stressig, nervenaufreibend und wenig erfüllend. Doch es gibt Möglichkeiten, den Job aktiv so zu gestalten, dass er besser zu den eigenen Stärken und Bedürfnissen passt. Hier setzt Job Crafting an: ein Ansatz, der es ermöglicht, den eigenen Aufgabenbereich durch kleine, gezielte Anpassungen so zu verändern, dass Arbeit wieder Freude macht und eine Quelle der Lebensqualität wird.
Kürzlich trafen wir eine Bekannte, die uns von ihren Herausforderungen als Assistentin eines Bereichsleiters in einem internationalen Unternehmen erzählte. Sie liebt ihre Arbeit, aber seit einigen Jahren ist sie auch in die Budgetplanung involviert, was sie viel Energie kostet und ihr schlaflose Nächte bereitet. Da sie organisatorisch stark ist, jedoch wenig mit Zahlen anfangen kann, hatte sie bereits versucht, diese Aufgabe abzugeben. Doch organisatorische Hürden liessen das nicht zu. Um den Energieaufwand zu minimieren, hat sie dennoch einige Schritte unternommen, welche die Idee des Job Crafting unterstreichen. Sie analysierte ihre Stärken und Schwächen und sprach mit ihrem Vorgesetzten über die Herausforderung. Schliesslich setze sie ihre organisatorische Stärke ein, um für die Abteilungen eine klare Struktur sowie ein vorgegebenes Format zu entwickeln, was die Abgabe der benötigten Zahlen erleichtern soll. Dieses Format führte sie zusammen mit ihrem Chef an einem Kickoff-Meeting offiziell ein. Während dem Kick-Off konnten auch Fragen und Schwierigkeiten seitens der Abteilungen geklärt werden. Durch diese Massnahmen konnte sie nicht nur ihre Arbeit entlasten, sondern auch die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit reibungsloser gestalten.
Das ist nur ein Beispiel, wie Job Crafting aussehen kann. In diesem Artikel zeigen wir, wie auch Sie durch Job Crafting Ihren Arbeitsalltag schrittweise verändern und dadurch die Qualität Ihrer Arbeitserfahrungen steigern können.
Die Evolution der Arbeitsgestaltung: Warum wir unsere Jobs verändern wollen
Job Crafting – oder auf Deutsch Arbeitsgestaltung – ist ein natürlicher Prozess, der in unserem Leben eine zentrale Rolle spielt. Die menschliche Neigung, unsere Lebensumstände stetig verbessern zu wollen, begleitet uns seit jeher. In der Evolution streben Organismen danach, sich an verändernde Bedingungen anzupassen, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen. Dieses evolutionäre Prinzip spiegelt sich auch in unserer inneren Fähigkeit wider, uns an externe Gegebenheiten anzupassen und zu analysieren, warum unsere Arbeit in einem bestimmten Moment sinnvoll ist. Es ist wichtig zu erkennen, dass sich diese Wahrnehmung im Laufe der Zeit verändern kann.
Die externe Dimension des Job Crafting spricht unsere Motivation an, unseren Arbeitskontext so zu gestalten, dass wir uns wohler fühlen. Verbesserungen in diesem Bereich können sich sowohl positiv auf unsere Leistung als auch auf unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und zwischenmenschlichen Beziehungen auswirken. Job Crafting umfasst somit alle Ansätze und Strategien, mit denen wir unsere Arbeit aktiv und bewusst so gestalten können, dass sie unseren Bedürfnissen und Wünschen besser entspricht.
Job Crafting verstehen: Unsere inneren Bedürfnisse als Gestaltungsfaktor
Job Crafting liegen verschiedene Bedürfnisse zugrunde, die sich unterschiedlich auswirken. Zum einen geht es bei den Treibern des Job Crafting um das Kohärenzgefühl, das von Aaron Antonovsky geprägt wurde. Er beschreibt den Zustand oder die Motivation, die den Menschen antreibt, das Leben als verstehbar, handhabbar und sinnvoll zu gestalten. Ein weiteres wichtiges Grundbedürfnis ist das Bedürfnis nach Bindung und Zugehörigkeit, das auch in der Glücksforschung immer wieder im Fokus steht. Dies beschreibt, dass es für die Gesundheit und das Glücksempfinden der Menschen wichtig ist, soziale Kontakte zu pflegen.
Das Bedürfnis nach Kontrolle und Kompetenz hingegen beschreibt den Wunsch der Menschen, ihr Leben so zu beeinflussen, dass sie ihre Werte und Ziele verfolgen können. Wenn uns das gelingt, empfinden wir ein Gefühl von Kontrolle und Kompetenz, das mit dem Teil des Kohärenzgefühls verwandt ist, welches die Handhabbarkeit umschreibt.
Das letzte Bedürfnis in diesem Kontext ist das Streben nach einem positiven Selbstbild. Wir alle entwickeln ein Bild von uns selbst. Wir fragen uns, wer wir sind, was unsere Stärken sind, und wir Menschen sehnen uns danach, positiv wahrgenommen zu werden und wertvoll zu sein. Diese Sehnsucht treibt uns an, unser Selbstbild zu stärken und unseren Selbstwert zu steigern, was natürlich einer ewigen Spirale gleichkommt. Denn in unserer Entwicklung wird sich auch unsere Erwartung an uns selbst immer weiter entwickeln und verändern.
Job Crafting: Ein Gewinn für Mitarbeitende, HR und Führungskräfte
Das Wissen über Job Crafting ist besonders spannend für jene Mitarbeitenden, die merken, dass ihre Arbeit sie unzufrieden macht, erschöpft oder genervt zurücklässt und die bereit sind, etwas aktiv zu verändern. Job Crafting bietet ihnen Möglichkeiten, die Arbeits- und Beziehungsgestaltung selbst in die Hand zu nehmen, um Zufriedenheit, Engagement und Leistung zu steigern.
Angesichts des Fachkräftemangels und der Suche nach motivierten Mitarbeitenden ist das Verständnis von Job Crafting auch für HR-Fachkräfte von grosser Bedeutung. Durch gezielte Anpassungen können HR-Verantwortliche nicht nur Stellenprofile attraktiver gestalten, sondern auch die individuellen Stärken und Bedürfnisse von Mitarbeitenden besser berücksichtigen, was zu höherer Mitarbeiterbindung und reduzierten Fluktuationsraten führen kann. Ein solcher Ansatz fördert zudem ein gesundes Arbeitsumfeld, in dem Mitarbeitende die Freiheit haben, ihre Rollen aktiv zu formen, was das Unternehmensimage stärkt und eine positive Unternehmenskultur unterstützt.
Für Führungskräfte ist Job Crafting insofern von zentralem Wert, weil es ihnen hilft, die Zusammenarbeit in ihren Teams zu stärken und Mitarbeitende individuell zu fördern. Wenn Mitarbeitende ihren Arbeitsbereich aktiv an ihre Stärken und Bedürfnisse anpassen können, führt dies oft zu einer produktiveren und harmonischeren Teamdynamik. Führungskräfte, die Job Crafting nicht nur aktiv unterstützen, sondern auch vorleben, tragen dazu bei, das Potenzial und die Motivation ihrer Teams zu steigern und das allgemeine Arbeitsklima nachhaltig zu verbessern.
Job Crafting konkret: Praktische Schritte für den Arbeitsalltag
Nachdem wir die Bedeutung und die Vorteile von Job Crafting beleuchtet haben, geht es nun um die konkrete Umsetzung. Hier sind einige Schritte, mit denen Sie Job Crafting gezielt anwenden und Veränderungen einleiten können, die Ihnen helfen, Ihre Arbeit besser mit Ihren individuellen Bedürfnissen in Einklang zu bringen.
#Schritt 1: „Ein Blick auf die innere Balance“
Machen Sie sich Ihre Stärken, Fähigkeiten und Talente bewusst. Bei welchen Arbeiten kommen diese zum Tragen und welche Aufgaben machen Sie nicht gerne? Überlegen Sie sich aber auch, welche der beschriebenen Grundbedürfnisse aktuell befriedigt sind und welche eventuell gerade zu kurz kommen.
#Schritt 2: „Wo drückt der Schuh am stärksten?”
Überlegen Sie sich, welchen Aspekt Ihrer Arbeit Sie verändern müssten, damit der grösste Leidensdruck wegfallen würde. Alternativ können Sie sich auch fragen, mit welcher Veränderung Sie am schnellsten mehr Wohlbefinden erfahren könnten. Was kostet Sie (zu) viel Energie? Welche Gedanken im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit belasten Sie am stärksten? Das kann einen inhaltlichen Teil Ihrer Arbeit oder eine Arbeitsbeziehung betreffen.
#Schritt 3: “Was packe ich an?”
Picken Sie sich nun den Aspekt Ihrer Arbeit heraus, den Sie verändern möchten. Wie genau möchten Sie diese verändern? Was soll in Zukunft anders sein? Was wäre ein erster logischer Schritt in diese Richtung? Halten Sie Ihr Ziel – und seine verschiedenen Etappen – schriftlich fest.
#Schritt 4: “Wer wird von Ihren Entscheidungen berührt?”
Wir leben in einer komplexen Welt und sind stark mit anderen Menschen verbunden. Verändern wir etwas in unserem Leben, hat das möglicherweise Auswirkungen auch auf andere. Überlegen Sie sich deshalb, welche Personen von Ihrer Veränderung betroffen sein könnten. Gibt es eventuell Menschen, die Sie über Ihr Vorhaben informieren müssten?
#Schritt 5: “Schauen Sie regelmässig zurück und feiern Sie Ihre Erfolge”
Reservieren Sie in Ihrer Agenda bewusst Zeit für Reflexion und überprüfen Sie Ihre Fortschritte. Welche besonderen Erfolge haben Sie auf Ihrem Weg bereits erlebt? Nehmen Sie sich Zeit, diese zu feiern. Möglicherweise traten aber auch unerwartete Schwierigkeiten auf. Überlegen Sie, wie Sie diese Hürden überwinden können, und ziehen Sie bei Bedarf eine vertraute Person für einen Austausch hinzu.
Nehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor. Im Job Crafting Prozess ist es wesentlich, einen (kleinen) Schritt nach dem anderen zu gehen und diesen geduldig und beharrlich zu verfolgen, anstatt hastig voranzueilen. Sobald Sie die erste Anpassung erfolgreich umgesetzt und in Ihren Arbeitsalltag integriert haben, können Sie sich dem nächsten Schritt widmen. So vermeiden Sie, dass Sie Ihren Veränderungsplan vorschnell aufgeben. Denken Sie immer daran: Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.
Die Autorinnen
Dr. Andrea Barrueto verfolgt die Vision einer Welt mit mehr Menschlichkeit. Als Coach, Dozent und Beraterin engagiert sie sich für persönliche, teamorientierte und kulturelle Entwicklungen. Ihre Stärke liegt in der Erfassung komplexer Zusammenhänge und der Integration verschiedener Perspektiven. Sie hat in nachhaltiger Entwicklung promoviert, sich in Change Management weitergebildet und ist Integraler Mastercoach. Privat ist sie in den Bergen anzutreffen und lebt mit ihrer Familie in der Schweiz. » https://barrueto.ch
Eveline Baumgartner Meier ist seit über 20 Jahren als Arbeits- und Organisationspsychologin, Atemtherapeutin und Coach tätig. Sie begleitet Menschen in beruflichen sowie privaten Veränderungssituationen und legt dabei besonderen Wert auf die Stärkung der Resilienz, um Herausforderungen besser zu meistern. Ihr Ansatz kombiniert psychologische und körperorientierte Methoden, um tiefgreifende, nachhaltige Veränderungen zu unterstützen. In ihrer Praxis bietet sie Laufbahn- und Outplacement-Beratungen, Assessment und Development Center sowie Atemkurse an. Eveline Baumgartner Meier lebt mit ihrer Familie im luzernischen Rothenburg. » www.potenziale-erkennen.com
Das Buch zum Artikel
Andrea Barrueto, Eveline Baumgartner Meier Job Crafting Arbeit besser gestalten
1. Auflage BusinessVillage 2024 232 Seiten
ISBN 978-3-86980-768-3 34,95 Euro ISBN-PDF 978-3-86980-769-0 33,95 Euro ISBN-EPUB 978-3-86980-770-6 33,95 Euro
Über BusinessVillage
BusinessVillage ist der Verlag für die Wirtschaft. Unsere Themen sind Beruf & Karriere, Innovation & Digitalisierung, Management & Führung, Kommunikation & Rhetorik und Marketing & PR. Unsere Bücher liefern Ideen für ein neues Management und selbstbestimmtes Leben. BusinessVillage macht Lust auf Veränderung und zeigt, was geht. Update your Knowledge!
Auch das Blog blog.softwing.de mag Kekse. Einige Cookies sind unerlässlich, andere helfen, das Blog für Dich zu verbessern. Du hast das Recht den nur funktionsfähigen Cookies zuzustimmen und Deine Einwilligung jederzeit zu ändern. Du bist unter 16 Jahre alt? Dann kannst Du nur den nur funktionsfähigen Cookies zustimmen oder Du kannst Deine Eltern oder Deinen Erziehungsberechtigten bitten, mit Dir gemeinsam anderen Cookies zuzustimmen.
Funktionale Cookies Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich, um die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der ausdrücklich vom Teilnehmer oder Benutzer angefordert wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff wird ausschließlich zu statistischen Zwecken verwendet.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung bzw. der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu tracken.