Von Rolf Pohl ist als Sozialpsychologe Experte für Männlichkeits- und Geschlechterforschung
Die Neigung zu rechten Parteien ist unter jungen Männern ausgeprägter als bei Frauen. Die Auslöser liegen häufig schon in der Pubertät
Vor dem Hintergrund der nach wie vor geltenden Geschlechterhierarchie mit einer männlichen Vorherrschaft haben die mit dieser Jugendkrise einhergehenden Verunsicherungen aber eine besondere Konsequenz für den Jungen: Er muss mit dem Druck umgehen, sich als das wichtigere und überlegene Geschlecht zu sehen und bereit zu sein, diese Dominanz dann, wenn sie in Gefahr zu geraten scheint, zu verteidigen. Im Notfall muss diese gefährdete und daher fragile Männlichkeit repariert oder sogar wiederhergestellt werden. Mit dieser Abwehr-Kampf-Haltung sind männliche Jugendliche anfällig für rechte Ideologien: Es gibt deutliche Parallelen zwischen der völkischen Idee eines geschundenen und bedrohten nationalen Volkskörpers und dem Gefühl einer Infragestellung oder Beschädigung der angestammten Männlichkeit.
Die AfD hat dieses Potenzial längst erkannt und dockt ihre Propaganda immer wieder dort an. So etwa Thüringens AfD-Chef Björn Höcke mit seiner Parole „Ja! Zur Jugend“ und seiner Forderung nach der Wiedergewinnung einer wehrhaften Männlichkeit. Rechte Gruppierungen können damit auch als Repräsentanten einer fragwürdigen männlichen Jugendbewegung gesehen werden.
HAZ, tomorrow
