Wenn der Schreibtisch nebenan stresst

Libby Sander, Zukunftsforscherin: Libby Sander, Zukunftsforscherin

Neue Hirnforschung belegt, was viele Beschäftigte längst ahnen: Großraumbüros kosten mentale Kraft. In Deutschland warnen Arbeitsschutzexperten schon lange vor den Folgen.

Und David John, der nach eigenen Angaben regelmäßig Feedback von Büroangestellten sammelt, bringt es auf den Punkt: „Die meisten sagen mir, dass sie lieber von zu Hause arbeiten, weil sie sich dort produktiver fühlen.“

Forschende haben 26 Probandinnen und Probanden – zwischen Mitte 20 und Mitte 60 alt – mit drahtlosen EEG-Headsets ausgestattet und sie dabei beobachtet, wie ihr Gehirn auf verschiedene Arbeitsumgebungen reagiert

Das Ergebnis war eindeutig. In der Kabine sank die Gehirnaktivität im Frontalbereich – also genau dort, wo Konzentration und Aufmerksamkeit gesteuert werden – im Verlauf der Aufgaben kontinuierlich ab. Das Gehirn arbeitete sich gleichsam warm und wurde effizienter. Im Großraumbüro verlief es genau umgekehrt: Die Hirnaktivität stieg stetig an, das mentale Engagement nahm zu, ebenso die messbare Erregung. Kurz gesagt: Das Gehirn musste immer mehr Energie aufwenden, nur um dieselbe Leistung aufrechtzuerhalten

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Natürlich ist die Testgröße mit 26 Teilnehmenden recht überschaubar, aber der Artikel nennt weitere Studien mit zum Teil hohen fünfstelligen Teilnehmenden. Das Ergebnis ist immer gleich: Großraum macht unproduktiv und krank! Da kann man noch so viel Agile, New Work und anderes ranschreiben, die physikalischen und medizinischen Gegebenheiten ändern sich dadurch nicht.
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Ein später Fall von Gerechtigkeit

Mehr als 40 Jahre nach der Tötung von Maria Köhler spüren Aschaffenburger Ermittler den Täter auf – und bringen ihn vor Gericht. Doch Experten sehen Nachholbedarf in Deutschland bei „Cold Cases“.

Die Angehörigen hätten ein Recht darauf, zu erfahren, was passiert ist, betont der frühere Ermittler, Dozent an der Polizeiakademie Niedersachsen und Kursleiter des ICCAP, des weltweit größten internationalen Cold-Case-Analyseprojekts: „Es ist enorm wichtig für das Rechtsgefühl der Menschen und ihr Vertrauen in den Rechtsstaat, dass solche Fälle weiter verfolgt werden.“ Dabei gehe es nicht allein um eine Verurteilung – sondern vor allem das Gefühl, dass das Schicksal der Getöteten oder Verschwundenen dem Staat nicht gleichgültig ist.

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Zahl der antisemitischen Vorfälle in Niedersachsen auf Rekordhoch

Marina Jalowaja, Vizepräsidentin des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen: Dort, wo Mitgefühl hätte sein müssen, gab es Relativie-rungen. Dort, wo klare Haltung notwendig gewesen wäre, herrschte Schweigen.

Die Meldestelle Rias dokumentiert 672 Fälle im vergangenen Jahr – so viele wie noch nie. Das Spektrum reicht von Bedrohungen und Angriffen bis zu Sachbeschädigungen.

Die häufigste Erscheinungsform war mit 499 Fällen israelbezogener Antisemitismus, gefolgt von Formen des Antisemitismus, die „auf die Abwehr von Erinnerung an die Schoa, Verantwortung und Schuld abzielen“. Pro Woche wurden durchschnittlich 13 Vorfälle gemeldet. Antisemitismus begegne Jüdinnen und Juden in allen gesellschaftlichen Bereichen, öffentlich wie privat.

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