What a Keks?

Großplakat an Wand mit in der Mitte zerbrochenem Leibniz-Keks und Skigan: EIN STÜCK GEBORGENHEIT, EGAL WO DU BIST
Eigentlich ein prima Werbeplakat, wenn da nicht links unten der kleine, zierliche Schriftzug wäre.
Plakatausschnitt mit rot umrandeten Schrifzug: GESTALTET MIT LIEBE UND KI
Dieses „gestaltet mit KI“ – hat Bahlsen sich das gut überlegt? In Zeiten, in denen die big Player of AI reihenweise – nachdem hochkarätige Mitarbeiter schon sehr warnend die Unternehmen verließen – ihre eigenen KI-Produkte aussetzen, stärker reglementieren und davor warnen, in diesen Zeiten macht Bahlsen mit KI Werbung. Nicht, dass das nicht geht oder dass nicht ansehnliche Ergebnisse erzielt werden. Nein, im Moment hat KI keinen guten Leumund.

Wenn Katjes im Rahmen der rosa Schleife -Kampagnenwerbung schön aussehende Personen mit KI abbildet, passiert das, weil eben keine realen Personen mit erlittenen Brustkrebs abgebildet werden sollen.

Bei Bahlsen hingegen verhält es sich anders, dabei hat das Unternehmen leidvolle Erfahrungen mit Fehltritten:

Setting Keksfabrik Bahlsen aus Hannover. Erzähle mir etwas vom Sachverhalt, dass die volljährige Bahlsenerbin gesagt hat: „Unsere Zwangsarbeiter im Dritten Reich hatten es gut.“ Dieser Ausspruch, geschichtlich auch noch falsch, hat in der Presse Bahlsen sehr schlecht aussehen lassen.

GPT-6 Luna

Der Ausspruch fiel im Mai 2019. Die damals 25-jährige Verena Bahlsen, Erbin und Gesellschafterin des Familienunternehmens, wurde zu dessen NS-Vergangenheit befragt. Der oft zitierte Satz lautete genauer: „Das war vor meiner Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt.“ Sie bezog sich dabei auf Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkriegs im Bahlsen-Werk in Hannover eingesetzt wurden.

**Was historisch belegt ist:** Laut den damaligen Berichten mussten zwischen 1941 und 1945 bis zu 250 Menschen aus sieben europäischen Ländern für Bahlsen arbeiten; viele waren von den Nationalsozialisten nach Deutschland verschleppt worden. Das Unternehmen galt als kriegswichtig. Die Betroffenen arbeiteten teils bis zu 48 Stunden pro Woche; ein Teil ihres Lohns wurde für Unterkunft und Verpflegung einbehalten. Es gibt zugleich Nachkriegsberichte, wonach manche Betroffene Bahlsen im Vergleich zu anderen Arbeitsorten als vergleichsweise besser behandelnd beschrieben. Das aber macht Zwangsarbeit nicht zu freiwilliger Arbeit oder zu einem guten Arbeitsverhältnis: Zwang, Entrechtung und fehlende Freiheit waren der Kern des Systems.

**Warum die Aussage so schlecht ankam:** Bahlsen stellte die Behandlung und Bezahlung in den Vordergrund, als könnten sie die grundlegende Gewalt des Zwangsverhältnisses aufwiegen. Besonders kritisiert wurden die Verharmlosung des Zwangscharakters und der Schluss, das Unternehmen habe sich „nichts zuschulden kommen lassen“. Ein Historiker und Holocaust-Überlebender, Guy Stern, wandte ein, dass „Zwang“ die entscheidende Dimension sei – nicht, ob Betroffene im Betrieb relativ besser oder schlechter behandelt worden seien.

Auch der Verweis auf frühere Gerichtsverfahren und Entschädigung traf den historischen Punkt nicht: Eine Klage von 60 Menschen aus Osteuropa auf Entschädigung war 2000 wegen Verjährung abgewiesen worden. Das war kein gerichtlicher Freispruch von einer historischen oder moralischen Verantwortung. Bahlsen trat im selben Jahr der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft bei.

Bahlsen entschuldigte sich kurz darauf. Verena Bahlsen sagte, ihre unbedachten Äußerungen seien ein Fehler gewesen, sie wolle die NS-Verbrechen nicht verharmlosen und sich intensiver mit der Unternehmensgeschichte befassen.

Die historische Korrektur lautet also nicht unbedingt, dass **jede einzelne** Zwangsarbeiterin oder **jeder einzelne** Zwangsarbeiter bei Bahlsen schlechter behandelt worden sei als an jedem anderen Ort. Belegt sind unterschiedliche Erfahrungsberichte. Falsch beziehungsweise irreführend war die pauschale Behauptung, die Zwangsarbeiter seien „gut behandelt“ worden, wenn sie damit als Entlastung für ein Unternehmen diente, das von der erzwungenen Arbeit verschleppter Menschen profitierte.

 

Zu beachten:

Ki ist mein Namenskurzzeichen und steht nicht für künstliche Intelligenz.

Wie immer gilt es zu beachten: KI-Systeme irren und fabulieren gerne. Einschalten des gesunden Menschenverstandes ist keine Option, sondern wird streng erwartet!

Hier wurde Duck.ai genutzt.
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