
Milliardenverlust mit „Geisterstrom“: Werden die Windräder ausgebremst?
Niedersachsen liefert so viel Öko-Energieleistung wie kein anderes Bundesland – doch ein großer Teil davon kommt gar nicht im Netz an. Neue Pläne des Bundes könnten das Problem weiter verschärfen.
HAZ, today
MEINUNG •Energiepolitik der Union
So vergeigt Katherina Reiche ein Zukunftsprojekt
Eine Kolumne von Christian Stöcker
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche verhindert, dass Deutschland zügig ein modernes Stromnetz bekommt – und schadet so dem Standort. Ein Upgrade könnte Deutschland jetzt besonders helfen.
Die Wirtschaftsblätter raten zu mehr Netzausbau
Der britische »Economist« ergänzt : »Analysten zufolge ist es möglich, ein kostengünstiges Stromnetz zu betreiben, in dem der meiste Strom von Erneuerbaren im Zusammenspiel mit Batterien kommt.« Wenn Wind, Sonne und gespeicherter Strom nicht reichen, müsse vorerst weiterhin Erdgas die Lücke füllen, so das wirtschaftsliberale Blatt, denn: »Neue Kernkraftwerke bleiben untragbar teuer.« Letzteres wollen Leute wie Markus Söder aus einem unbekannten Grund nicht akzeptieren.
Für E.on und RWE ist Katherina Reiches Strategie – langsamer Netzausbau, viel Kontrolle für die Netzbetreiber, Bremsen anderer Investitions- und Bautätigkeit – sehr attraktiv. Dezentrale Stromerzeugung, etwa mit Fotovoltaik-Dachanlagen, dezentrale Batteriespeicher, schnellerer Netzausbau, Smartmeter – all das macht ein Stromnetz flexibler, resilienter und mittelfristig billiger. Aber für in zentralen Strukturen denkende und handelnde Großkonzerne ist es eine wenig attraktive Lösung. Und es schafft neue Wettbewerber.
Es sieht aus, als wolle Katherina Reiche die Fehler der Vergangenheit wiederholen. Einmal mehr könnte uns Netz-Aversion der Union teuer zu stehen kommen.
