Hier finden sich Buchbesprechungen von mir. Nicht nur der IT-Bereich findet sich hier, wenn auch IT-nahe Themen noch einen Schwerpunkt ausmachen. Viel Spaß beim Stöbern.
Annik Rubens Podcasting
Da will ich doch mal wieder ein wenig Resteverwertung betreiben und das wirklich nette, kleine Buch von Annik Rubens (SIM – Schlaflos in München, ein Klassiker im deutschsprachigen Raum) vorstellen. Zugegeben, die Rezension schlummert mittlerweile ein Jahr auf meiner Platte (und Frank Möcke von der c’t schien sie nicht zu interessieren, aber was soll es).
Köln 2006
O‘Reilly
102 Seiten
14,90 EUR
ISBN 3-89721-459-8
Annik Rubens
Podcasting
Das Buch zum Audiobloggen
Nicht zuletzt seitdem Apples iTunes Podcasts listet sind diese vom Geheimtipp zum allgegenwärtigen Trend geworden. Seit 2004 gibt es Podcasts und mittlerweile findet man von der Tagesschau bis zur Comedie alles, was man sich vorstellen kann.
Annik Rubens ist deutsche Podcasterin der ersten Stunde. Mit ihrem Podcast „Schlaflos in München“ (SIM) erreicht sie pro Episode mehrere tausend Hörer. Sie gibt einen Überblick, wie Podcasten entstand, stellt verschiedene Podcast-Clients vor und erläutert das Podcastverzeichnis in iTunes und dem iTunes Music Store.
Bekannte Podcaster, meist Pioniere der ersten Stunde und somit Amerikaner werden vorgestellt. Die Auswahl ist natürlich subjektiv und stellt ihre Favoriten dar.
Einen Überblick über die nötige Grundausstattung wird gegeben. Dabei legt Annik Rubens Wert darauf, dass man am Anfang nicht zu viel Geld investieren sollte. Lieber etwas kleiner Anfangen, wenn sich der Erfolg einstellt und man am Ball bleibt, kann dann immer noch das Equipment aufgestockt werden. Sie gibt Tipps zu Mikrophonen und stellt auch ihre Ausstattung vor, mit der sie SIM produziert. Neben der Hardware stellt sie auch Software und nötige Hoster für die Podcasts vor. Ausführlich geht sie auf Podcast-Software für Windows ein, Garageband von Apple erwähnt sie nur am Rand. Auf die Möglichkeit von Enhanced Podcasts, diese also mit Kapiteln, Bildern und URLs auszustatten, geht sie auch ein, schreibt aber auch, dass solche Podcasts nicht von allen MP3-Spielern verstanden werden.
Mit einem Kapitel zu den goldenen Regeln gibt Annik Rubens Vorschläge für einen erfolgreichen Podcast. Sie reißt Themen wie regelmäßiges Podcasten, Interaktivität mit den eigenen Hörern oder rechtliche Dinge beim Verwenden von Musikstücken an. Aufgelockert wird das ganze durch eingeschobene Blöcke, in denen sie über ihre Erfahrungen aus ihrem eigenen Podcast berichtet.
Auch das Thema Eigenwerbung, um über Networking oder Shownotes auf der eigenen Webseite auf seinen Podcast aufmerksam zu machen, lässt sie nicht unerwähnt. Auch wenn Annik Rubens einige Seiten über Geldverdienen mit Podcast schreibt, muss doch klar gesagt werden, dass zumindest in Deutschland dafür der Markt noch nicht da ist, was sie aber auch nicht verschweigt.
Wer sich mit dem Gedanken trägt, einen eigenen Podcast zu starten, findet in dem kompakten Buch Anregungen und Hilfestellungen, was die Hard- und Software sowie das organisatorische betrifft. Wer einfach nur etwas mehr über Podcasts erfahren möchte profitiert von den vielen Links im Buch und den vorgestellten Podcasts, die zum abonnieren und Probehören einladen.
Steve Jobs – iCon
Da will ich doch mal „Restverwertung“ betreiben. Hatte mir das Buch letztes Jahr schnell besorgt und wollt eine Rezension in der c’t platzieren, doch der Haus-und-Hof-Schreiber (Maik S.) war – glaube ich – wie immer schneller (was der anderes außer Rezensionenschreiben macht, ist mir schleierhaft), so daß das Thema erst einmal begraben wurde, doch dann packte mich dieses Jahr noch mal der Ergeiz. Klar, daß Hennig Behme die Rezension ablehnte. Wenn ich es schaffe und mein Web-Imperium endlich mal update, soll es auch hier erscheinen, aber das dauert sicherlich noch etwas.
2006
S. Fischer Verlag
456 Seiten
19,90 €
Jeffrey Young / William L. Simon
Steve Jobs und die Geschichte eines außergewöhnlichen Unternehmens
Bücher über den Mitbegründer von Apple sind schon viele erschienen – einschließlich einer frühen Biographie über Steve Jobs aus dem letzten Jahrtausend. Eines, dass sofort soviel Unmut des Apple-Firmenlenkers auf sich zog, dass es aus dem Apple Store verbannt wurde, dagegen noch nicht.
Dabei kommt wirklich richtig überraschend neues aus dem Job‘schen Leben auch durch Young und Simon nicht ans Licht der Welt. Steve Jobs war und ist ein Lichtgestalt der IT-Branche. Was soll man von jemanden halten, der in jungen Jahren auf einer Pilgerreise durch Indien fast ums Leben gekommen wäre, der sich kleine Erfrischungen für die Füße in Apples Toilettenkeramik gönnte und der bei Einstellungstest die ohnehin gestressten Probanden nach deren sexuellen Neigungen befragte? Jobs, der im Gegensatz zum anderen Steve (und zweiten von drei) Firmengründern keinen universitären Abschluss aufweist, hat es früh gelernt, Trends aufzuspüren und Produktinnovationen an sich zu reißen. So geschehen bei der Entwicklung des Macs, denn heute weiß kaum noch jemand, dass dessen geistiger Vater eigentlich Jef Raskin war. Auch wenn Bill Gates, der ewige Rivale, im Kreise der Superreichen um Längen vor Steve Jobs rangiert, so ist es doch der Apple Gründer, der für immer mit etlichen der coolsten Produkte der Welt in Verbindung gebracht werden wird.
Im Buch von Young und Simon erfährt der Leser auch vieles aus Jobs privater Welt. Typisch und bezeichnend für Jobs ist, dass dieser sich hartnäckig weigerte, Unterhalt für seine Tochter Lisa zu zahlen. Selbst noch zu einem Zeitpunkt, als er durch den Aktiengang Apples Millionär geworden war, so dass selbst der langjährige Mitstreiter Mike Markkula dieses missbilligend kommentiert. Ebenso sei die Knauserigkeit und der Geiz von Steve Jobs im Zuge des Aktiengangs von Apple erwähnt, den verdienten Mitarbeitern der ersten Stunde keine Aktienpakete zukommen zu lassen. Steve Wozniak zeigte an dieser Stelle Größe und Anstand, die Steve Jobs all zu oft vermissen lässt.
Die Biographie ist dreigeteilt. Im ersten Teil „Siege und Niederlagen“ wird von Jobs Kindheit bis zur Gründung Apples und dem Rausschmiss Jobs erzählt. Der Mittelteil „Neuanfang“ beschreibt die Zeit bei NeXT und den Kauf von Pixar und dessen erste Arbeiten. Den Schlussteil „Die Zukunft bestimmen“ zeigt die erfolgreiche Zeit bei Pixar, den Wiedereinstige bei Apple und dessen langsame Hinwegwendung von einem Computerunternehmen zu einer Life-Style-Company.
Wenn man eines Steve Jobs nicht vorwerfen kann, dann ist es seine Hartnäckigkeit, wenn es sich etwas vorgenommen hat sowie seine Kämpfernatur, auch aus den scheinbar ausweglosesten Situationen als Sieger hervorzugehen. Mit dreißig Multimillionär und von einem ehemaligen Brauseverkäufer aus seiner eigenen Firma rausgeekelt zu werden, mitanzusehen wie seine nächste Firma NeXT langsam vor die Wand fährt, um dann mit Pixar im Scheinwerferlicht Hollywoods Oscars entgegen zu nehmen als jemand, der im Show Biz eigentlich krasser Außenseiter ist. Sowie durch den Aufkauf NeXTs durch Apple genau dort wieder zu laden, wo er Jahre zuvor verdrängt wurde – nämlich in der Schaltzentrale Apples, wo er damit beginnt, Apple wieder zu dem zu machen, wofür es einmal gestanden hatte, aber lange Zeit nicht mehr gewesen war: Einem Trendsetter, der aus dem Stand heraus in der Lage ist, den lange etablierten MP3-Spieler-Markt aufzumischen und mit dem Gespann iPod/iTunes Markt- und Technologieführer wird.
Wer sich für die Geschichte von Apple interessiert, dem sei dieses Buch als nette Bahnlektüre angeraten. Die Übersetzung von iCon ist gut gelungen und lässt sich flüssig und zügig lesen. Die Jünger des Eintasten-Mauscomputers, die ohnehin alles über Apple verschlingen, werden auch an diesen Werk nicht vorbeigehen können. Bleibt eigentlich nur noch auf die eigene Biographie von Jobs zu warten, der uns seine Welt dann sicherlich durch seine narrzistische Brille zeigen wird. Warten wir es ab.
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